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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 43/2023

Laut Saisonalität jetzt einsteigen, Smart Money Index, Aktien vs. Obligationen, Was ist in Deutschland los?



Chart der Woche

Quelle: Isabelnet, 26.10.2023


Die Grafik zeigt die durchschnittliche Jahresrendite des S&P 500, des Aktienmarktes in den USA seit 1950.


Warum das wichtig ist


Wir stehen jetzt genau an dem Zeitpunkt, zu welchem es normalerweise eine Trendwende nach oben gibt und die Weihnachts-Rally beginnt. In dem Jahr ist jedoch Vorsicht geboten. Aktuell ist die Anlagestimmung so negativ, wie selten und der Markt ist in einem Abwärtstrend.


Vergangene Woche wurden zwar für die Wirtschaft in den USA hervorragende Zahlen veröffentlicht, aber für die Börse miserabel. Das Bruttoinlandprodukt der USA stieg um 4.9%, erwartet worden war 4.5%. Die Konsumausgaben stiegen wie erwartet auch um 4% und die Inflation hat um 2.4% zugenommen (erwartet worden waren 2.5%). Dadurch erhöht sich der Druck auf die Notenbank die Zinsen weiter zu erhöhen.



Smart Money Index


Quelle: Twitter, WallStreetCourier, @WallStCourier, 27.10.2023


An der Börse wird zwischen den Geldflüssen von Hedgefonds und institutionellen Anleger (Smart Money) und privaten Anlegern (Dump Money) unterschieden. Dabei geht man davon aus, dass institutionelle Anleger in der Regel bessere Informationen haben und professioneller investieren und Privatanleger sich oft von der allgemeinen Stimmung und Schlagzeilen in den Medien leiten lassen.


Der Smart Money Flow Index (SMFI) wird nach einer eigens entwickelten Formel des WallStreetCourier berechnet, die die Entwicklung des Dow in zwei wichtigen Zeiträumen misst: kurz nach der Eröffnung und in der letzten Handelsstunde.

Die Grafik zeigt oben in Blau den Dow Jones Aktienindex und unten in Rot den Smart Money Index. Aktuell ziehen sich Hedgefonds und institutionelle Anleger aufgrund der hohen Unsicherheiten aus dem Markt zurück und verkaufen.

Einen Lichtblick gibt es aber.


Quelle: Isabelnet, 24.10.2023


In einer Umfrage der Bank J.P. Morgan geben 52% ihrer institutionellen Kunden an, in den nächsten 2–3 Wochen wieder Aktien kaufen zu wollen. Dieser Wert steigt aber schon an, seit die Korrektur an den Aktienmärkten läuft. Wann genau die institutionellen Kunden wieder beginnen zu kaufen, lässt sich schlecht sagen.



Aktien vs. Obligationen


Quelle: Isabelnet, 26.10.2023


Die Grafik zeigt seit dem Jahr 2000 die Reihenfolge der Haupt-Asset Klassen in jedem Jahr an. Jede Asset-Klasse hat dabei jedes Jahr die gleiche Farbe. Zuoberst ist jedes Jahr die Asset-Klasse mit der höchsten Rendite, zuunterst die mit der schlechtesten.

Was schon auf den ersten Blich auffällt ist, dass die Verteilung der Farben zufällig ist und sich kaum vorhersagen lässt. Es gibt nur einige wenige Gesetzmässigkeiten:

  • Die Asset-Klasse, die in einem Jahr an der Spitze ist, ist in den nächsten 2-3 Jahren oft auch einmal die Schlechteste

  • Der Aktienmarkt (S&P 500, dunkelblau) ist meist in der oberen Hälfte und war nur einmal, 2003, die schlechteste Asset-Klasse in einem Jahr.

  • Rohstoffe (hellgrün) sind grösstenteils entweder an der Spitze der Rangliste oder zuunterst, aber selten im Mittelfeld.

  • Hochverzinsliche Anleihen sind grösstenteils im Mittelfeld zu finden. Sie waren nie an der Spitze, aber auch nie die Schlechtesten.

Generell kann man aber sagen, dass eine verlässliche Prognose fast unmöglich ist. Daher ist es sinnvoll, seine Anlagen breit zu streuen und nicht sein ganzes Vermögen auf eine Asset-Klasse zu setzen.


Dabei ist es wichtig, Assetklassen zu kombinieren, die sich gut ergänzen. Hier werden von den Anlegern grösstenteils Aktien und Obligationen eingesetzt.


Quelle: Isabelnet, 25.10.2023


Die Grafik zeigt, in welchen Jahren sich Aktien und Obligationen in die gleiche Richtung entwickelt haben und in welchen nicht und dann eine gute Ergänzung waren. Im langfristigen Durchschnitt sind Aktien und Obligationen nicht wirklich die beste Kombination. In den vergangenen 20 Jahren bis 2021, war dies aber der Fall. Aktuell sind wir aber wieder in einer Phase, in denen die Aktien und Obligationen beide gleichzeitig an Wert gewinnen oder verlieren.


Quelle: Twitter, Luke Gormen, @LukeGormen, 27.10.2023


Ein weiteres wichtiges Puzzleteil in dem Anlageentscheid ist die Höhe der Zinsen. Überschreitet diese eine gewisse Grenze, oft 5%, verschieben sich generell die Anlageentscheide. In der letzten Woche haben wir bereits aufgezeigt, dass US-Staatsobligationen jetzt eine höhere Rendite aufweisen als Immobilienanlagen. Die Grafik oben zeigt, dass dies nun auch bei Schwellenländeranleihen der Fall ist.


Für einen rational denkenden Anleger in den USA, lohnt es sich eher in risikolose Staatsanleihen zu investieren als in Immobilien oder Schwellenländeranleihen.

Obligationen haben nicht wie Aktien die Charakteristik, dass langfristige Anleger die Verluste ausblenden können. Hält man eine Anleihe bis zur Rückzahlung, so werden Verluste, die in der Laufzeit der Anleihen anfallen, wieder ausgeglichen. Es muss nur sicher sein, dass es den Schuldner bei der Rückzahlung noch gibt. Was bei Staatsanleihen der Industrieländer meist der Fall ist.


Wir setzten in den Anlageportfolios unserer Kunden darum auch vermehrt wieder Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 1 oder 2 Jahren ein und halten sie in der Regel bis zu der Rückzahlung.

Was ist in Deutschland los?


Die europäische Notenbank (EZB) hat in der letzten Woche bekannt gegeben, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen.


Quelle: YouTube, Mario Lochner. 28.10.2023, Zeitstempel 5.27


Die Grafik zeigt in Blau die bereits erfolgten Zinserhöhungen und in Rot die Erwartung der Anleger. Auch in Europa zeichnet sich daher ein Zinsgipfel ab.


Gleichzeitig bleibt das Wachstum positiv.


Quelle: Statista, IWF Prognose, 10.10.2023


Die Grafik zeigt die erwarteten Wachstumsraten der Volkswirtschaften ausgewählter Länder. Bei den meisten hat der IWF (International Monetary Fund) die Wachstumsprognosen erhöht. Ausser in Deutschland und China, aber dort auf sehr hohem Level.


Quelle: YouTube, Mario Lochner. 28.10.2023, Zeitstempel 3.35


Die Grafik zeigt die Entwicklung der Produktion aller Sektoren, die viel Energie benötigen, in Blau (Autobauer, Stahlfirmen,...) und in Rot alle Sektoren, die wenig Energie benötigen (vorwiegend der Dienstleistungssektor).


Die Energiekosten in Deutschland sind mittlerweile doppelt so hoch wie die in Frankreich oder Holland und 2.5-Fach höher als in Polen.

So ist es nur eine logische Schlussfolgerung, dass die energieintensive Produktion aus Deutschland abwandert, inklusive aller Arbeitsplätze. Der Rest der Industrie kann zwar einige Arbeitsplätze auffangen, bei weitem aber nicht genug.


Auch Private müssen tiefer in die Tasche greifen. So sind in den vergangenen drei Jahren die Kosten für leichtes Heizöl um 173% gestiegen. Aber auch bei erneuerbaren Energiequellen wie Brennholz Pellets (+70%) oder Fernwärme (+70%) stiegen die Kosten stark an. Für den Umbau der Energie-Infrastruktur werden alle zur Kasse gebeten.


Aktuell geht der Umbau nicht auf. So liegt der grösste Anteil beim Stromimport bei Atomstrom (12.6 Terawattstunden). Um dies mit Erdgas aufzufangen (Import von 5.1 Terawattstunden) müsste sich die Kapazität von LNG-Terminals mehr als verdreifachen.

In einem bemerkenswerten Vortrag hat der ehemalige Wirtschaftsweise Hans-Werner Sinn vorgerechnet, dass es für einen vollständigen Umbau auf erneuerbare Energien in Deutschland, ca. 200 grosse Energiespeicher benötigt. Aktuell hat Deutschland 7 und 9 sind in Planung.

Der Umbau der Energie-Infrastruktur wird also noch weitere Jahre dauern, mit hohen Kosten und ungewissem Ausgang.




Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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