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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 40/2023

Spekulationsblasen und Lebenszyklen von Firmen, Crash bei langfristigen Staatsanleihen, Gute Einstiegspunkte näheren sich.


Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 30.09.2023


Die Grafik zeigt die Spekulationsblasen der letzten 40 Jahre. Als Spekulationsblase wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter bei hohen Umsätzen wit über ihrem Fundamentalwert liegen.


Warum das wichtig ist


Wenn man zu spät in eine Marktbewegung einsteigt, also kurz bevor die Blase platzt, macht man Verluste von 50% bis 70%. Entweder erkennt man Blasen in einem frühen Stadium und kann davon profitieren oder man sollte die Finger davon lassen.


In den vergangenen 40 Jahren gab es die folgenden Blasen:

  • Gold (1980)

  • Japan (1990)

  • Asien (1995)

  • Internet (2000)

  • Housing (2007)

  • China (2008)

  • Biotech (2015)


Spekulationsblasen und Lebenszyklen von Firmen


Die folgenden Blasen sind bis jetzt nicht zu Ende und/oder überschneiden sich zum Teil:

  • ARK ARK steht für den ARK ETF von Cathie Wood und bezeichnet Aktien, die noch nie einen Gewinn gemacht haben, und alle Einnahmen für mehr Wachstum und das Gewinnen von Marktanteilen einsetzten. Ev. befinden wir uns hier auf dem Pfad der Erleuchtung (siehe Ausführungen zum Hype-Zyklus weiter unten).

  • Bitcoin Hier scheiden sich die Geister. Ist die Blase geplatzt oder kommt die richtige Blase erst und der Bitcoin Kurs geht von aktuell USD 28'000 auf 1 Million?

  • FAANG Die Bezeichnung steht für Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google. Alles Aktien, die sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt haben und aufgrund des Trends der künstlichen Intelligenz nochmals Schub bekommen haben. Weitere Titel dieser Kategorie sind Tesla oder NVIDIA.

  • AI Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz). Der Begriff bezeichnet die Intelligenz von Maschinen oder Software, im Gegensatz zur Intelligenz von Menschen oder Tieren. Es ist das Fachgebiet der Informatik, das sich mit der Entwicklung und Erforschung intelligenter Maschinen befasst. Von der wirklichen KI sind wir noch meilenweit entfernt. Aktuell lösen die Maschinen die Aufgaben mit reiner Rechenkraft und weil diese in den vergangenen Jahren so enorm zugenommen hat, sind Dinge möglich, die verblüffende Resultate liefern. Bei dieser Blase sind wir wohl aktuell beim "Gipfel der überzogenen Erwartungen".

Blasen laufen alle nach dem gleichen Muster ab:


Quelle: Wikipedia, Hype Zyklus, 7.10.2023


Auf einen ersten Hype folgt die Ernüchterung. Nur wenige Firmen überleben den ersten Hype und schaffen es dann auch, mit der neuen Technologie Geld zu verdienen.


Quelle: Wikipedia, Hype Zyklus, 7.10.2023


Das Problem für Privatanleger bei einer neuen Technologie ist, dass man erst davon erfährt, wenn der grösste Anstieg schon erfolgt ist. Bis die Medien darüber berichten (1) haben viele andere Investoren schon viel Geld damit verdient.


Wo stehen wir bei den oben genannten noch offenen Zyklen:

  • ARK Der Trend steht mitten in der Krise und zeigt aktuell nur wenig Erholungspotential. Wir sehen ARK bei (2). Das Problem hier sind die hohen Zinsen. Für Firmen, die keine Gewinne machen und alles mit Fremdkapital finanzieren müssen, wird es immer teurer. Solange die Zinsen hoch bleiben, und da sind die aktuellen Erwartungen bis Juni 2024, sehen wir hier kaum Erholungspotential.

  • Bitcoin Nach der grossen Krise könnten wir hier bei (3) liegen. Negativ sind die vielen Gerichtsverfahren und Verbote, aber sollte ein Cash-ETF bewilligt werden, steht der nächste Durchbruch nach oben bevor.

  • FAANG Es handelt sich um etablierte Firmen, die sich neu erfinden. Wir sehen diese bei Schritt (4).

  • AI Der Hype hat wohl einen Höhepunkt jetzt erreicht. Nur sehr wenige Firmen verdienen Geld damit. Die meisten bieten ihre Dienstleistungen gratis an und hoffen von einer grossen Firma übernommen zu werden. Immer mehr geht ihnen oder den Investoren aber das Geld aus.

Wie kann man am besten von Blasen profitieren? Beim Gold-Rush in den USA von 1850 wurden nur ganz wenige reich, die Gold gefunden haben. Aber auch die Hersteller von Schaufeln und Hacken. 1860 beim Öl-Rush waren es die Röhrenhersteller. Das Erfolgsrezept ist, in die Hersteller der Materialien zu investieren, die für den Hype benutzt werden.

Bei dem Hype künstliche Intelligenz sind das Produkte von NVIDIA. Die Firma stellt Grafikkarten für Computerspiele her. Diese konnten schon ideal zum Mining von Bitcoin benutzt werden. Schon da hat die Firma massiv profitiert. Nun zeigt sich, dass die Computerchips auch ideal geeignet sind, um die Rechenoperationen für Anwendungen der künstlichen Intelligenz durchzuführen.

NVIDIA hat nur wenig Konkurrenz. Es wollen zwar jetzt alle in den Bereich investieren, aber bevor NVIDIA richtige Konkurrenz droht, geht es noch 1-2 Jahre.



Crash bei langfristigen Staatsanleihen


In der letzten Woche wurden in den USA die Anzahl der neu geschaffenen Stellen ausserhalb des Agrarsektors veröffentlicht. Diese waren wesentlich höher als erwartet:


Quelle: Twitter, Equity Clock, @EquityClock, 6.10.2023


Die Grafik zeigt in Blau den Durchschnitt der neu geschaffenen Stellen der letzten 10 Jahre. Grün den Verlauf im letzten Jahr und in Rot von diesem Jahr. Gegenüber dem letzten Jahr hat sich die wirtschaftliche Aktivität zwar etwas abgekühlt, aber bei langen nicht so viel, wie für eine Rezession nötig wäre.

Eine weiterhin sehe gut laufende Wirtschaft ist zwar generell gut, aber bedeutet auch zunehmende Inflation.

Dies führe dazu, dass die Zinsen dann weiter angestiegen sind.

Quelle: YouTube, Mario Lochner. 07.10.2023, Zeitstempel 3.28


Die Grafik zeigt den Preis von US-Staatsobligationen von 10-Jahren (schwarz) und den von einem breiten globalen Anleihenindex (Global Aggregate, rot). Nach dem tiefst vor einem Monat schien das Höchst der Zinsen erreicht. Das erneute Absinken der Preise kam sehr überraschend.

Klar, der Auslöser war wie oben beschrieben die hohen Beschäftigungszahlen in den USA. Da sich aber die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank nicht erhöht haben, lasst die Bewegung viele ratlos zurück.


Quelle: Twitter, Liz Ann Sonders, @LizAnnSonders, 5.10.2023


Höhere Zinsen sind nicht nur für die Wirtschaft schlecht, sondern schränken auch den Handelsspielraum der Regierung ein. Im Chart oben sieht man, wie viel die US-Regierung für die Bezahlung der Zinsen der Staatsschulden aufwenden muss. Vor Covid waren dies noch knapp 7% der Steuereinnahmen. Bis 2030 kann dieser Wert auf 20% steigen. Dies führt dann auch zu heftigen Diskussionen in der US-Politik und war auch einer der Hauptgründe für die historische Absetzung des Speakers des US-Repräsentantenhauses.


Etwas unbeobachtet nehmen derzeit die Ausfallraten von Krediten zu:



Quelle: Twitter, The Daily Shot, @SobertLook, 5.10.2023


Die Grafik zeigt die Zunahme von Zahlungsausfällen bei Mehrfamilienhäusern in den USA. Diese hat bereits stark zugenommen und die Höchststände von der Covid-Krise übertroffen. Von den Höchstständen während der Finanzmarktkrise 2008 sind die Zahlen aber noch weit entfernt.


Quelle: Twitter, The Daily Shot, @SobertLook, 5.10.2023


Die Grafik zeigt die Ausfallrate von Krediten von kleineren US-Unternehmen. In einer wirtschaftlichen Krise steigen diese meist zuerst an, da kleinere Firmen in der Regel weniger Reserven haben als grosse Firmen. Der Wert von 2023 liegt bereits wesentlich über den Werten den letzten Jahren und nimmt weiter zu.


Bei Kreditausfällen leiden meist die Banken zuerst darunter:

Quelle: Twitter, The Daily Shot, @SobertLook, 5.10.2023


Die Grafik zeigt die Zusammensetzung der Kreditportfolios der grossen und kleineren Banken in den USA auf. Die kleineren Banken aber überproportional viele Kredite an kleine Firmen vergeben (44%) und leiden daher vorwiegend bei Konkursen von diesen Firmen. Die grossen Banken sind dann aber viel stärker betroffen, wenn die Konsumenten ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Dazu zählen auch Kreditkartenschulden.

Von den höheren Zinsen haben Banken bisher mehrheitlich profitiert, aber wenn nun die Kreditausfallraten steigen, ist es nicht die beste Branche, um investiert zu sein.



Gute Einstiegspunkte näheren sich


Seit den Höchstständen im Juli sind die europäischen Börsen bereits 9% eingebrochen.

Quelle: Twitter, Lance Roberts, @LanceRoberts, 6.10.2023


Die Grafik zeigt die Anzahl von Pu-Optionen auf dem S&P 500, also die Anzahl von Investoren, die sich gegen sinkende Kurse absichern. Je höher diese sind, desto weniger Investoren verkaufen und ein Umschwung ist nahe.


Auch das Sentiment der Privatinvestoren hat sich in den vergangenen Wochen massiv verändert:

Quelle: YouTube, Mario Lochner. 07.10.2023, Zeitstempel 6.38


Die Grafik zeigt die Veränderung im Sentiment der Privatanleger. Sind die Anleger zu gierig, droht meist eine Trendwende nach unten. Das war im Juli der Fall. Sind die Anleger jedoch zu ängstlich, folgt grösstenteils eine Trendwende nach oben. Wir sind jetzt auf einem Stand, bei welchem es im Januar und März zu einer Trendwende nach oben kam.


Mit Käufen würdigen wir aber aufgrund der unsicheren Lage in Israel noch etwas zuwarten. Es besteht die grosse Gefahr, dass der Konflikt eskaliert. Es kommt jetzt ganz darauf an, wie besonnen die israelische Armee agiert. Ein Landkrieg und Vollbesetzung des Gazastreifens könnte folgen. Was den Konflikt auf eine noch höhere Stufe heben würde, wäre ein Angriff Israels auf ausgewählte Ziele im Iran, dem Hauptgeld- und Waffenlieferant der Hams.

Der Ölpreis hat von den Tiefstständen von letzter Woche bereits 8% zugelegt. Folgt ein weiterer Anstieg des Ölpreises weit über USD 100 würde das die weltweite Wirtschaft hart treffen.

An den Bösen gibt es das makabere Sprichwort: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern". Noch schweigen die Kanonen der Israelis.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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