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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 35/2023

Warum zeigen wir immer Grafiken aus den USA?, Aktienmärkte und Wirtschaftsentwicklung entkoppeln sich, der ungeliebte September.



Chart der Woche



Ich wurde von Leserinnen gefragt, warum ich immerzu Grafiken aus den USA kommentiere und fast keine aus Europa oder der Schweiz.


Die Grafik zeigt die Entwicklung des Bruttoinlandproduktes (BIP) in den einzelnen Regionen. Das BIP gibt an, welchen Gesamtwert an Waren und Dienstleistungen während eines Wirtschaftsjahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte erwirtschaftet wurde.

Die USA sind die weltweit grösste Volkswirtschaft. China holt stark auf und dürfte die USA in ca. 5 Jahren überholen. Die USA und China machen 40% der globalen Entwicklung aus. Europa nur 15%.


Warum das wichtig ist


In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Rezessionen, aber auch wirtschaftliche Erholungen, meist von den USA ausgehen und Europa im Zeitraum von 6 bis 12 Monaten der gleichen Entwicklung folgt. Analysiert man also die Entwicklung in den USA, so sieht man, was in Europa später folgen wird.

Es gibt weitere Gründe, warum die USA in der Wirtschaftsbetrachtung führend ist:

  • Im MSCI World, dem meistbeachteten Aktienindex der Welt, sind die Aktien nach der Grösse der Marktkapitalisierung gewichtet. Aktuell ist die Gewichtung der USA bei ca. 70%. Viele Aktienportfolios haben eine ähnlich hohe Gewichtung der USA. Deshalb ist es logisch, auf diesen Markt als Erstes zu fokussieren.

  • Die meisten neuen Geschäftsmodelle und Firmen, die die Welt verändern, stammen aus den USA: Apple, Google, Amazon, Uber, Tesla,...

  • Der US-Dollar gilt als die Weltwährung. Fast 90% der Rohstoffe werden in USD gehandelt. Sobald an einem anderen Ort auf der Welt Unsicherheiten entstehen, flüchten die Anleger in den USD.

  • Die USA kommunizieren Wirtschaftszahlen (Wachstum, Erwerbslosigkeit, etc) öfter und schneller als andere Länder. Schaut man in die USA, kann erahnt werden, was in den anderen Ländern geschehen wird. Viele Länder berechnen mittlerweile ähnliche Wirtschaftsgrössen als in den USA, aber die USA tun es schon sehr viel länger. Man hat mit US-Daten eine viel grössere Historie und kann langfristige Zusammenhänge besser erkennen.

  • Die Notenbanken dieser Welt haben den Auftrag, die Inflation zu bekämpfen. Die US-Notenbank hat aber noch den Zusatzauftrag, für Vollbeschäftigung zu sorgen. Deswegen agiert die US-Notenbank oft schneller und agiler als alle anderen Notenbanken dieser Welt. In Zusammenhang mit den oben genannten Gründen führt dies oft dazu, dass die US-Notenbank als Erste reagiert und alle anderen später folgen.

Dieses "Monopol" der USA an den Finanzmärkten wackelt aber. China holt auf. Ökonomisch, militärisch und strategisch. In ca. 5 Jahren, dürfte China den weltweit grössten Konsummarkt haben. China unternimmt auch viele Anstrengungen den Renminbi, als neue Weltwährung zu etablieren.


Quelle: Twitter: Wall Street Silver, @WallStreetSilv, 28.05.2023


Die Grafik zeigt, welche Länder mehr an die USA exportieren als an China (blau) und welche Länder mehr an China exportieren als an die USA (rot). Von 2000 bis 2020 hat sich die Abhängigkeit stark nach China verschoben. Ich werde also neben vielen Grafiken aus den USA in Zukunft auch mehr Grafiken aus China zeigen.


Aktienmärkte und Wirtschaftsentwicklung entkoppeln sich


Quelle: Isabelnet, 02.09.2023


Die Grafik zeigt den US Manufacturing Index (gelb) und den S&P 500, den Hauptaktienindex in den USA (violett). Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, auch bekannt als Einkaufsmanagerindex (PMI), ist ein monatlicher Indikator für die Wirtschaftstätigkeit in den USA. Er basiert auf einer Umfrage unter Einkaufsleitern von mehr als 300 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Er gilt als ein Schlüsselindikator für den Zustand der US-Wirtschaft. Der neue Indexstand wird jeden Monat am dritten Werktag publiziert. Wie auf der Grafik zu erkennen ist, ist die Entwicklung der beiden Indizes sehr ähnlich. Ausser in den vergangenen Monaten. Der ISM hat sich zwar leicht erholt (+1.2), aber die Börse ist viel stärker gestiegen, als dies von der Lage der Wirtschaft vertretbar wäre. Entweder wird der ISM in den nächsten Monaten massiv zulegen, oder die Börsenkurse müssten sinken, um die Lücke zu schliessen.

Quelle: Isabelnet, 02.09.2023


Die Grafik zeigt die Entwicklung der Leitzinsen in den USA (dunkelblau) und die Anzahl offener Stellen (hellblau). Aktuell ist die Arbeitslosenrate noch historisch tief. Falls sich die Wirtschaft aufgrund der stark gestiegenen Zinsen abkühlt, so wird man das zuerst an der Anzahl offener Stellen sehen. Wenn diese stark zurückgeht, wird auch die Arbeitslosenrate zunehmen. Wie erwartet, nimmt die Anzahl offenen Stellen nun ab. Ein erstes Zeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung abkühlt.


Quelle: Twitter, The Kobeissi Letter, @TimmerFidelity, 03.09.2023


Wir haben letzte Woche über den Konsum in den USA geschrieben. Dieser wird immer mehr mit Krediten finanziert. Die Grafik zeigt, wie stark die Konsumenten in den USA während der COVID-Zeit sparen konnten (blaue Linie), aber wie stark diese Ersparnisse abnehmen. Eingerechnet in diese Zahlen sind die COVID-Checks, die jeder Amerikaner erhalten hat. In -1-2 Monaten dürften alle Ersparnisse weg sein, die während der COVID-Krise aufgebaut werden konnten. Spätestens dann wird der Konsum zurückgehen.


Die Zeichen mehren sich, dass in den USA eine Rezession droht. Die Grafik unten zeigt, wie sich in einer solchen Phase die Arbeitslosenrate und die Zinsen normalerweise verhalten. Die Grafik zeigt die Durchschnittswerte von allen Rezessionen seit 1969.

Quelle: Isabelnet, 30.08.2023


Auf der Zeitachse wird, mit null, der Zeitpunkt festgelegt, in dem die Arbeitslosenrate zu steigen beginnt. Links davon ist die Entwicklung in den 260 Tagen davor und rechts davon die Entwicklung in den 260 Tagen danach zu sehen. Wenn die Arbeitslosenrate zu steigen beginnt, bewegen sich die langfristigen Zinsen (rot, 10-Jahres Staatsanleihe) seitwärts oder leicht nach unten. Die kurzfristigen Zinsen (blau, 3-Monats Staatsanleihen) bewegen sich stark nach unten. Das hat damit zu tun, dass sich die inverse Zinsstruktur (kurzfristige Zinsen hoch, langfristige Zinsen tief) wieder umkehrt zu der normal üblichen Zinskurve (kurzfristige Zinsen tief, langfristige Zinsen hoch).

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass es jetzt in den USA wieder Zeit wird, um Staatsanleihen ins Portfolio zu nehmen. Die Gefahr von Kapitalverlusten sinkt.

Quelle: Isabelnet, 01.09.2023


Die Grafik zeigt die jährliche Rendite in zehnjährigen US-Staatsanleihen seit 1787. Seit Anfangsjahr ist die Rendite negativ. Das wäre das erste Mal seit 1787, dass die Rendite 3 Jahre hintereinander negativ ist. Auch dies deutet darauf hin, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sein könnte, um US-Staatsanleihen zu kaufen.



Der ungeliebte September.


Der September gilt historisch als einer der schlechtesten Börsenmonate. Fast alle Crashs in der Börsengeschichte geschahen im September.


Quelle: Isabelnet, 03.09.2023


Die Grafik zeigt die durchschnittliche Monatsrendite seit 1960. Der September ist hier klar der schlechteste Monat. Später im Oktober beginnt dann meist die Weihnachtsrallye.


Quelle: Isabelnet, 03.09.2023


Die US-Bank JP Morgan hat alle grossen Fondsmanager befragt, ob sie im September ihre Aktienposition eher ausbauen oder abbauen wollen. Über 70% planen, die Aktienquote zu reduzieren. Das deutet darauf hin, dass wir auch in dem Jahr eine schlechte Septemberrendite sehen werden.


Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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