• Martin Bürki

Marktanalyse - Woche 45/2020

USA: Die Wahlen sind vorbei - Willkommen zu den Wahlen, Politische Märkte haben kurze Beine




USA: Die Wahlen sind vorbei - Willkommen zu den Wahlen


Amerika hat gewählt. Die Wahl ist vorbei. Und wer hat gewonnen? Man weiss es nicht. Aktuell sieht das Bild so aus:



Quelle: Tagesanzeiger, Zeit: 6.11.2020, 10:55


Es wird erwartet, dass Biden heute oder morgen die Schwelle der 270 Elektorenstimmen übertrifft, die für eine Wahl nötig sind. Er wird sich dann zum Sieger erklären.


Vorerst läuft alles nach dem Drehbuch ab, dass wir bereits im Oktober im Marktbericht der Woche 40 aufgezeigt haben.

Wichtig ist festzuhalten, dass Trump noch nicht verloren hat. Was ist aktuell seine Taktik?


Die Taktik von Trump basiert auf drei Strategien.


1. Stopp der Auszählungen: Er verlangt dass die Auszählung der Stimmen gestoppt wird. Viele Staaten führen das erste Mal eine Briefwahl durch und er zweifelt die Legitimität an. Dazu bekommt er fast keine Zustimmung. Selbst republikanische Politiker sagen, dass es einer Demokratie wie der USA unwürdig wäre, abgegeben Stimmen nicht zu zählen. Irritierend für viele ist, dass Trump dies nur dort verlangt wo er in Führung liegt und nicht auch dort wo er in Rückstand ist. Der Erfolg dieser Strategie von Trump scheint wenig zielführend.


2. Wahlbetrug: In zwei recht wirren Pressekonferenzen erhebt Trump den Vorwurf der massiven Wahlfälschung. Das wäre durchaus legitim, wenn er Beweise vorlegt. Bisher wurde aber nicht ein einziger Beweis vorgelegt. Weder die Presse noch unabhängige Wahlbeobachter von der UNO haben Unregelmässigkeiten festgestellt. Falls Trump hier tatsächlich Beweise vorlegen kann, wäre dies sein stärkstes Argument. Aber wenn nicht, wird es zum Bumerang für ihn. Amerika hat nicht gerne Verlierer, aber noch weniger mögen sie Verlierer die nicht dazu stehen.

3. Nachzählungen: In 5 Staaten liegen die Stimmunterschiede bei weniger als 1% der abgegeben Stimmen. In solchen Fällen eine Nachzählung zu verlangen ist legitim und auch für die spätere Akzeptanz des Resultats sinnvoll. Aktuell scheint das für Trump die erfolgversprechendste Strategie zu sein. Er kauft sich damit aber wohl nur Zeit.

Auswirkungen auf die Börse:

Wir analysieren hier ja die Märkte und daher ist wichtig, was dies nun für die Aktien und Obligationenmärkte bedeutet.


Es kam in den ersten 2 Tagen nach den Wahlen zu einer Erholung der Aktienkurse, zu einem Aufatmen. Man hatte Ausschreitungen befürchtet die ausgeblieben sind. Die Anhänger beider Seiten bleiben besonnen. Aber ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?


Der Markt stellt sich nun auf das folgende Szenario ein: Biden als Präsident mit einem republikanisch dominierten Senat. Biden kann also nicht ungehindert regieren (blaue Welle) sondern wird Kompromisse machen müssen. Ein solches Szenario mag die Börse durchaus. Es verhindert extreme neue Regeln. Die Märkte haben insbesondere Angst vor Bidens Steuerplänen. Erhöhung fast aller Firmensteuern, Erhöhung der Steuern bei Privatpersonen über USD 400'000.- Einkommen und Erhöhung der Erbschaftssteuer auf über 60%. In Anbetracht der Covid-Krise und der Mehrheit der Republikaner im Senat wird es fraglich, ob er dies umsetzten kann. Etwas negativer sieht es nun mit dem erwarteten Konjunkturpaket aus. Das dürfte bei einem geteilten Parlament niedriger ausfallen als wenn die Demokraten voll das Sagen gehabt hätten. Diese Tatsache haben unserer Meinung nach die Märkte noch zu wenig beachtet.

Profitiert haben diese Woche vor allem die Technologiewerte. Die Pläne der Demokraten die grossen Technologiewerte in einzelne kleine Firmen aufzuspalten, dürfte vorerst vom Tische sein.


Durch die Nachzählungen kann sich das definitive Resultat um 1-2 Wochen verzögern. Falls Trump Beweise für Wahlfälschungen vorlegt um weitere 2-3 Wochen, da dann der Fall vor das Bundesgericht geht.

Es kann in dieser Zeit immer noch zu gewalttätigen Unruhen kommen. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass Länder wie China, Russland, Iran oder Nordkorea das Machtvakuum nutzen. Deshalb steigt aktuell auch der Goldpreis wider stark an:


Politische Märkte haben kurze Beine


Es lohnt sich den bekannten Börsenspruch wieder mal vor Augen zu führen: "Politische Börsen haben kurze Beine."

Politische Unruhen oder Vorkommnisse können die Börse zwar kurzfristig stark bewegen aber mittel- und langfristig ist die Wirtschaftslage und die Gewinnausweise der Firmen wichtig.

Unsere Haltung ist aktuell vorsichtig optimistisch. Was uns aktuell am meisten Sorgen macht ist die Covid-Pandemie. Diese ist an den Märkten in der aktuellen Woche etwas in den Hintergrund geraten. Neue Lockdowns in vielen Ländern könnten der Wirtschaft massiv Schaden zufügen.



Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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