• martin1060

Marktanalyse - W35/2021

Notenbank muss Politik aufgrund schlechter Arbeitsmarktzahlen ändern, die Rally nährt die Rally.


Vorletzten Monat wurden in den USA noch 1.3 Millionen neue Stellen geschaffen. Diverse Indikatoren haben eine Abschwächung der Wirtschaft erwarten lassen und so wurde für den August erwartet, dass in den USA 700'000 neue Stellen (ex Agrarsektor) geschaffen wurden.

Die am Freitag publizierte Zahl lag nun bei 235'000 neu geschaffenen Stellen im August. Diese Zahl ist weit unter den Erwartungen. Der Schwung der US-Wirtschaft aus der Covid-Rezession ist jäh abgebremst worden. In erster Linie lag das wohl an der Covid-Delta Variante.


Die erste Frage die sich nun stellt ist, wie verlässlich die Zahlen sind:

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 02.09.2021, Zeitstempel: 3.05


Seit 2003 sind die publizierten Zahlen des US-Arbeitsamtes sehr verlässlich. Später publizierte genauere Zahlen wichen maximal um 100'000 von der ursprünglich publizierten Zahl ab. Seit Corona ist dies aber komplett anders. Da verschätzt sich das US-Arbeitsamt zum Teil massiv. Die nun publizierte Zahl von 235'000 könnte also auch -500'000 oder +1'000'000 sein. Darum waren sich die Marktteilnehmer zuerst auch nicht sicher, wie sie die Lage nun interpretieren sollen.


Die Börse hat leicht negativ auf die Zahlen reagiert und ist zwischen zwei Lager hin und hergerissen:

  • Negativ: Eine starke Abschwächung der Wirtschaft wird dazu führen, dass im nächsten Quartal die Firmen viel weniger Gewinne machen und die hohen Erwartungen nicht erfüllen werden.

  • Positiv: Die US-Notenbank wird nun die lockere Geldpolitik weiterführen müssen.


Bisher war erwartet worden, dass die US-Notenbank die lockere Geldpolitik zurück fahren wird, und im September ankünden wird, per Ende Jahr die monatlichen Käufe von Obligationen stark zu reduzieren. Also mit dem sogenannten "Tapering" zu beginnen. Schon vor einer Woche hat der US-Notenbankchef Jerome Powell dies zwar bestätigt, aber gesagt, dass man die Lage sehr genau beobachtet und sehr, sehr vorsichtig vorgehen wird. Schon das wurde von vielen als Aufweichung dieses Ziels interpretiert.

Mit der nun sehr tiefen Zahl neu geschaffener Stellen wird sie das Tapering nicht beginnen können und wird dies weiter in die Zukunft verschieben.


Wie bereits in den letzten Marktberichten erklärt, schlechte Covid-News und schlechte Wirtschaftszahlen sind aktuell eher positiv für die Börse.


Die Rally nährt die Rally.


Seit 1954 kam es 14 Mal vor, dass die Börse seit Anfangs Jahr bis Ende August um mehr als 15% gestiegen ist (dunkelblauer Balken):

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 31.8.2021, Zeitstempel: 2.48


In 12 der 14 Jahre stieg die Börse in den verbleibenden 4 Monaten weiter (hellblauer Balken). Nur 1986 und 1987 war dies nicht der Fall.


Die folgende Grafik haben wir bereits einige Male hier im Blog gezeigt. Es handelt sich um den Fear and Greed Indikator von CNN Business:

Quelle: CNN Business, Greed and Fear Index, 21.8.2021


Die Grafik zeigt, dass seit Anfangs Jahr viele Investoren nicht an den Aufschwung glaubten und mit dem Anstieg der Börse immer vorsichtiger und negativer wurden. Es liegt darum die Schlussfolgerung nahe, dass viele Investoren nicht oder zu wenig investiert waren und zu viel Bargeld hielten. Diese haben einen grossen Teil der guten Börsenrendite verpasst.


Genau ein solches Bild führt zu dem Verhalten, dass viele Anleger nun befürchten, alle Rendite zu verpassen und Ende Jahr nichts verdient zu haben. Auch Banken und Institutionelle Anleger stehen vor diesem Problem. Es erhöht den Druck der Rally nach zu rennen und jetzt doch noch zu investieren. So entstand auch der Ausdruck "Die Rally nährt die Rally".


Aber niemand ist ein Prophet und kann genau sagen wie sich die Zukunft entwickeln wird. An der Börse arbeitet man daher mit Wahrscheinlichkeiten. Aus unserer Sicht ist aufgrund der oben geschilderten Lage, die Wahrscheinlichkeit bei ca. 70%, dass die Börse bis Ende Jahr weiter steigen könnte.




Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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