• martin1060

Marktanalyse - W31/2021

Neue Allzeithöchst aber hohe Volatilität in Einzelwerten, The Trend is your Friend, Von der Hyperinflation zur Stagflation, Was planen die Notenbanken?


Neue Allzeithöchst aber hohe Volatilität in Einzelwerten, The trend is your friend,


An der Leitbörse in Amerika konnten die Hauptindizes neue Allzeithöchst erklimmen. Normalerweise herrscht in einer solche Phase eine grosse Euphorie an der Böse und alle freuen sich. Dieses Mal nicht:

Quelle: CNN Business, Greed and Fear Index, 7.8.2021


Die Werte haben sich aber dennoch von 24 (extreme Angst) auf 36 (Angst) verbessert. Zur Erinnerung der Indikator ist ein Kontra-Indikator. Wenn alle euphorisch sind kann niemand mehr zusätzlich kaufen und eine grössere Korrektur steht bevor. Das Erklimmen neuer Allzeithöchst mit Werten im Angstbereich ist äusserst ungewöhnlich und spricht dafür, dass die Rally noch weitergehen könnte.


Bei den einzelnen Titeln gab es aber zum Teil starke Bewegungen. Es läuft immer noch die Bekanntgabe der Gewinnresultate für das erste Halbjahr 2021:

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 03.8.2021, Zeitspempel: 18.00


Wir sehen nach wie vor, dass die Firmen, die die Resultat-Schätzungen erfüllen oder übertreffen nur leicht zulegen, Firmen aber die die Erwartungen verfehlen aber brutal abgestraft werden. Ein solches Bild sieht man normalerweise am Ende einer Rally und kurz vor einer grösseren Korrektur.


The Trend is your Friend


Wir sehen also nach wie vor sehr unterschiedliche Zeichen, die schwer einzuordnen sind. Im Zweifelsfall geht der vorherrschende Trend immer länger als man denkt (Börsenweisheit: The Trend is your friend) und für eine Trendwende braucht es einen Auslöser.

Das Potential für einen solchen Auslöser hat die Covid-Dealtavariante. Bisher agieren die Regierungen aber äusserst besonnen und halten sich mit weiteren Lockdowns zurück. Auch die Konsumenten lassen sich aktuell von ihrer Konsumlust nicht von der Covid-Krise abhalten.


Von der Hyperinflation zur Stagflation


Die Schlagzeilen in der Presse von Morgen, lassen sich oft erahnen, wenn man die Suchaktivitäten auf Google beobachtet.

Quelle: Twitter, Gregory Daco, @GregDaco, 05.08.2021


Noch vor einigen Wochen herrschte die Angst vor, es stehe eine Hyperinflation vor uns. Die Angst scheint sich nun abgeschwächt zu haben. Die vorherrschende Meinung ist, dass die höheren Inflationswerte nur temporär und ein Basiseffekt sind.

Quelle: Twitter, Arbor Data Science, @DataArbor, 06.08.2021


Die Angst der Anleger scheint sich aktuell eher in die Richtung Stagflation zu bewegen. Dies beschreibt einen Zustand von geringem Wachstum bei hoher Inflation. Dieser Suchbegriff geht auf neue Höchststände. Stagflation ist kein wünschenswerter Zustand. Sparer würden kontinuierlich bestraft, aber auch Aktien würden wohl aufgrund der massiv tieferen Wachstumsaussichten einbrechen. In einem solchen Szenario würde man wohl in Substanzaktien (Value) am wenigsten verlieren.


Was planen die Notenbanken


Ende Monat findet das internationale Notenbanktreffen in Jackson Hole statt. Dies wird Medial immer stark begleitet und dient den Notenbanken sich international abzusprechen. Es werden dort Aussagen erwartet, dass die Covid-Massnahmen sehr erfolgreich waren und weitergehen sollen.

Am 22. September folgt dann das nächste Treffen der US-Notenbank. Die US-Notenbank dürfte als erste Notenbank weltweit die Covid-Unterstützungsmassnahmen runter fahren. Es wird erwartet, dass die US-Notenbank an dem Treffen verkünden wird, ab Dezember 2021 oder Januar 2022 die Stützungskäufe von Anleihen zu reduzieren (sogenanntes Tapering).


Es ist sehr gut dokumentiert wie die Notenbank normalerweise entscheidet und auf welche Grundlagen sie sich stützt. Aufgrund dieser Angaben werden Modelle entwickelt um die Aktionen der US-Notenbank vorherzusagen:

Quelle: Twitter, Mikael Sarwe, @MikaelSarwe, 06.08.2021


Laut diesen Modellen (dunkelblau) müsste die US-Notenbank die Zinsen eigentlich massiv erhöhen. Aufgrund der noch anhaltenden Covid-Krise geht man aber davon aus, dass sie dies nicht tun wird. Ein Meinungsumschwung in dem Bereich hätte das Potential, die Aktienmärkte in einen Crash zu schicken.


Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen; unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme sind auf positive Zinsen ausgerichtet. Das aktuelle Zinsumfeld nimmt einer ganzen Generation die Hoffnung, durch sparen eine Pension zu erwirtschaften, die im Alter zum Leben reicht. Lange andauernde negative Zinsen werden zu sozialen Unruhen führen und unser Gesellschaftssystem umpflügen.


Hier das aktuelle Bild der Zinskurve für Deutsche Staatsanleihen:

Quelle: Twitter, The Daily Shot, @SoberLook, 05.08.2021


Vor einem Monat erhielt ein Anleger, der die 25 jährige Deutsche Staatsanleihe gekauft hat noch einen jährlichen Zins von 0.2%, jetzt ist auch der Negativ. Und wir sprechen hier über den Nominalzins. Der Realzins, nach Abzug der Inflation, ist noch viel schlechter. Ein konservativer Anleger, der sein Geld in Sicherheit bringen will und daher in Deutsche Staatsanleihen investiert, muss dafür zahlen und erhält keinen Zins mehr. Lässt er das Geld auf seinem Konto liegen, wird ein Negativzins verlangt. Wir leben in einer verrückten Anlagewelt.




Hinweis in eigener Sache


Da ich nächste Woche in den Ferien bin, wird es wohl eine Woche keinen Marktbericht geben. Ausser es geschehen wirklich aussergewöhnliche Dinge.






Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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