• Martin Bürki

Marktanalyse - W28/2021

Big Picture: Wirtschaftsentwicklung, Notenbankpolitik, Schuldenwirtschaft der Staaten und Bewertungen der Aktienmärkte. Fazit: Vorsichtig investieren und auf Substanz-Aktien setzten.



Wirtschaftsentwicklung


Sowohl in den USA wie auch in Europa liegt das Wachstum des Bruttoinlandproduktes noch hinter den Vor-Covid-Werten (violette Linie):


Quelle: JPM Market Insights, Guide to Market, 3Q 2021


Was aber klar auffällt ist, dass die USA schon wesentlich weiter in der wirtschaftlichen Erholung sind. Sowohl der Konsum wie auch die Investitionen sind schon stark angestiegen. Hier hinkt Europa noch 2-3 Monate hinterher.


Notenbankpolitik


Die Notenbanken sowohl in den USA wie auch in Europa fahren nach wie vor eine stark expansive Geldpolitik:

Quelle: Yardeni Research


Der Chart zeigt am Beispiel der USA wie die Geldmenge M2 in der Krise massiv erhöht wurde. In der Vergangenheit lag das Wachstum in der Höhe des Bruttoinlandproduktes (GDP). Laut der Theorie steigt die Inflation an, wenn das Wachstum der Wirtschaft tiefer ist als das Wachstum der Geldmenge. Aufgrund der extremen Werte haben nun viele namhafte Investoren Angst vor Inflation oder sogar Hyperinflation.


In der Geschichte der Börse gab es noch nie eine Phase mit einem sich so stark erholendem Wirtschaftswachstum und einer stark expansiven Geldpolitik. Obwohl die Erholung schon stark ist verabreichen die Notenbanken nach wie vor Steroide. Das führt zu Blasenbildungen und Überbewertungen, die sich in einem Crash entladen können und werden.


Schuldenwirtschaft der Staaten


Durch die Covid-Unterstützungspakete haben sich die Staaten stark verschuldet. Hier am Beispiel USA:


Quelle: FRED


Die Frage ist, wer dieses Defizit finanzieren soll. Dies insbesondere bei negativen Realzinsen:


Quelle: Yardeni Research


Der grösste Investor in Staatsanleihen ist aktuell die Notenbank:


Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 02.6.2021, Zeitspempel: 20.20


Seit Juni 2021 ist der grösste Besitzer von US-Staatsanleihen die US-Notenbank. Immer weniger ausländische Anleger sind bereit bei negativen Realzinsen US-Staatsanleihen zu kaufen. Der Staat finanziert sich selber mit neu gedrucktem Geld. Ewig kann dies nicht gut gehen und die Schulden müssen irgend einmal zurück bezahlt werden.


Aber zurück zur Gegenwart. Ein grosser Teil der Unterstützungsgelder der Notenbanken und Regierungen fliessen aktuell in die Aktienmärkte:


Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 25.6.2021, Zeitspempel: 13.27


Der Geldzufluss in die Aktienmärkte ist so hoch wie in den letzte 20 Jahren noch nie gesehen wurde. Die Aktienmärkte steigen und steigen.


Bewertungen der Aktienmärkte


Das führt zu der Frage, ob die Aktienmärkte nicht schon total überbewertet sind.


Quelle: Yardeni Research


Der Chart zeigt zu welchem durchschnittlichen Preis/Ertrags-Verhältnis (Price/Earnings-Ratio) die Aktien bewertet werden. 2010 war dies noch 10x nun ist der Wert bei fast 22x. Dies bedeutet, dass die Firmen 22 Jahre mindestens die aktuellen Gewinne (oder mehr) erwirtschaften müssen, damit die Bewertung gerechtfertigt ist.

Viele Investoren verwenden nicht das einfache P/E, da es durch Sonderfaktoren von den Firmen manipuliert werden kann. Viel Beachtung findet das Shiller P/E, dass vom Nobelpreisträger Robert Shiller entwickelt wurde. Es bereinigt das normale P/E-Ratio um zyklische Komponenten.


Quelle: multpl


Der Chart zeigt, dass wir aktuell sehr hohe Bewertungen sehen aber noch nicht so hoch wie im Jahr 2000, bei der sogenannten Dot-com Blase. Die Bewertungen sind also sehr hoch aber noch nicht komplett von der Realität entfernt.


Fazit:


Die Aktienmärkte steigen weiter aber es drohen grössere Korrekturen. Dank den Notenbanken können die Aktienmärkte noch weiter steigen. Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken ihre lockere Geldpolitik erst nach 2-3 Monate nachdem runterfahren, nachdem die staatlichen Unterstützungsprogramme auslaufen.

Bei weiteren grossen Kurssteigerungen, empfehlen wir den Bargeldanteil langsam und stetig zu erhöhen und die Anlagen mehrheitlich auf Substanzaktien (Value) umzuschichten.

Quelle: Yardeni Research


Die Substanzaktien (blaue Linie) haben in den letzten 12 Jahren wesentlich schlechter Abgeschnitten als Wachstumsaktien (Growth, rote Linie) und ein grosses Aufholpotential. Wenn die Notenbanken ihre lockere Geldpolitik beenden und die Zinsen ansteigen, wird dies vor allem die Wachstumsaktien treffen und man wird mit Substanzaktien wesentlich weniger verlieren.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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