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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 48/2023

Trendwende bei langfristigen Anleihen, Sanfte Landung oder Rezession? Zum Tod von Charlie Munger von Berkshire Hathaway



Chart der Woche


Quelle: YouTube, Mario Lochner, 02.12.2023, Zeitstempel: 3.54


Die Grafik zeigt die Rendite des S&P 500 im Februar seit 1980.


Warum das wichtig ist


Wir hatten gerade die drittbeste Rendite des S&P 500 in einem Februar seit 1980. Wir und die regelmässigen Leser dieses Berichtes sind da nicht überrascht.

Die Anlagestimmung war so negativ, dass sich ein Umschwung abgezeichnet hat. Bereits eine kleine Verbesserung der Lage führt in solchen Situationen zu einem Umschwung. Nachdem die Parlamentskrise in den USA abgewendet war und sich abgezeichnet, dass der Krieg in Israel nicht zu einem Flächenbrand wird und eskaliert, haben sich viele Unsicherheiten aufgelöst.



Trendwende bei langfristigen Anleihen,


Quelle: YouTube, Invest Answers, 01.12.2023, Zeitstempel: 11.10


Anleger in langfristigen Anleihen von 10 oder 30 Jahren in den USA hatten es nicht einfach in den vergangenen zwei Jahren. Wie die Grafik zeigt, mussten sie ähnliche Verluste hinnehmen wie Aktienanleger in der Finanzkrise oder beim Platzen der Internetblase im Jahr 2000. Der Trend hat sich aber in den vergangenen Wochen gedreht.


Quelle: YouTube, Markus Koch, 01.12.2023, Zeitstempel: 05.46


Die Grafik zeigt mit den durchgezogenen Linien die Entwicklung der Leitzinsen der Notenbanken von den USA, Europa, UK und Japan der letzten zwei Jahre und mit den gepunkteten Linien die Prognosen für das nächste Jahr. Japan ist ein Sonderfall, aber in den USA, Europa und UK rechnet man in den nächsten Monaten mit gleichbleibenden Zinsen und dann ab ca. Mitte Jahr mit sinkenden Zinsen.


Aufpassen muss man aber dennoch. Jerome Powell, der Chef der amerikanischen Notenbank, hat sich verbal bisher nicht klar festgelegt und sagt, dass man auf der Hut ist und die Zinsen auch nochmals erhöhen könnte, wenn sich die Wirtschaft nicht abkühlt. Die Volatilität bei den langfristigen Zinsen dürfte noch längere Zeit hoch bleiben.


Quelle: YouTube, Mario Lochner, 02.12.2023, Zeitstempel: 14.25


Die Grafik der Bank of America oben, zeigt auch, dass mit sinkenden Zinsen gerechnet wird. Die dunkelblaue Linie zeigt die Zinsen der zehnjährigen US-Staatsanleihe und die hellblaue Linie die der zweijährigen Staatsanleihe.

Aufgrund der aktuell bezahlten Preise bei Obligationen wird die Zinskurve für zehnjährigen (grüne Punkte) und zweijährigen Anleihe (gelbe Punkte) berechnet. Aktuell rechnet man damit, dass sich erst Ende 2024 die inverse Zinskurve auflösen wird. Das ist später als bisher angenommen.

Dieses Bild ist unüblich. Normalerweise löst sich die inverse Zinskurve auf, wenn die Zinsen sinken. Dies ist ein Indiz, dass sich die Anleger über die Zukunft doch nicht so sicher sind und die Volatilität im Anleihenbereich hoch bleiben wird.


Quelle: YouTube, Mario Lochner, 02.12.2023, Zeitstempel: 5.59


Die Grafik zeigt weltweit alle Zinserhöhungen (dunkelblaue Linie) und Zinssenkungen (hellblaue Linie) aller Notenbanken an. Der generelle Trend ist klar: Zinserhöhungen nehmen stark ab und die ersten Zinssenkungen erfolgen.


Sanfte Landung oder Rezession?


Quelle: YouTube, Markus Koch, 01.12.2023, Zeitstempel: 05.46


Die Grafik zeigt, wie oft der Begriff «Rezession» oder "Soft Landing" in Google zur Suche eingegeben wird. Die Suchbegriffe von Google gelten als recht verlässlicher Frühindikator.

Viele Investoren, die sich auf eine sanfte Landung vorbereiten, Googeln, um zu recherchieren, welche Titel in einem solchen Fall gekauft werden sollten. Einige Tage später, tätigen sie dann diese Käufe.

Die Grafik zeigt eindrücklich, wie sich das Stimmungsbild der Anleger in den vergangenen Wochen verändert hat.


Quelle: Twitter, Mohamed A.El-Erian, @elerianm, 04.12.2023


Bezüglich der Frage, ob es eine Rezession geben wird oder nicht, ist die Grafik oben wohl die Wichtigste. Die Grafik zeigt die wirtschaftliche Entwicklung bei den langlebigen Gütern (blaue Linie; Maschinen, Autos, etc.) und dem Dienstleistungsbereich (grüne Linie). Die schwarze Linie zeigt die Gesamtzahl an.

Die Schlussfolgerung dieser Grafik ist:

Bei langlebigen Gütern haben wir die Rezession bereits, aber nicht im Dienstleistungsbereich.

Die meisten Wirtschaftsindikatoren wie der LEI (Leading Indicators) sind sehr industrielastig und zeigen eine Rezession, aber die Inflation sinkt zu wenig und auch die Erwerbslosigkeit nimmt nicht zu.

Das führt zu einem grossen Dilemma der Notenbanken. All ihre Steuerungsgrössen beeinflussen die Firmen für langlebige Güter stark, aber den Dienstleistungsbereich nur schwach. Firmen im Dienstleistungsbereich haben in der Regel wesentlich weniger Kredite und werden durch Zinserhöhungen weniger beeinflusst.



Zum Tod von Charlie Munger von Berkshire Hathaway


Diese Woche ist Charlie Munger im Alter von 99 Jahren verstorben. Er war seit 1971 der Partner und Stellvertreter von Warren Buffett. Auch in dem hohen Alter war er immer noch in der Firma aktiv und selbstverständlich immer an der jährlichen Aktionärsversammlung in Omaha auf der Bühne neben Warren Buffett. Die Versammlung ist legendär und wird auch das Orakel von Omaha genannt. Jährlich pilgern Tausende an diesen Anlass.


Seit dem Warren Buffett die Firma Berkshire Hathaway kaufte, hat deren Wert um 39’783% zugenommen. Ein Anleger, der Warren Buffett 1962 USD 1’000 anvertraut hat, hätte heute ein Vermögen von USD 39’783’000.


Quelle: Google, 01.12.2023


Warren Buffett kaufte 1965 die Textilfirma Berkshire Hathaway, die vor allem Schuhe herstellte, und wandelte sie mit den Jahren in eine Beteiligungsgesellschaft um. Mit 48% ist Apple die grösste Position. Hier, kann das Portfolio von Warren Buffett eingesehen werden.


Berkshire Hathaway wird wie eine ganz normale Aktie bewertet. Die Aktie wird aktuell zu einem "Price to book Value" von 1.472 gehandelt:


Quelle: Y-Charts, Berkshire Hathaway Inc (BRK.B), 02.12.2023


Das heisst, der Wert der Aktie übersteigt den Wert der Positionen um 47.2%. Dies widerspiegelt die Fähigkeit von Warren Buffett. Um von dem Wissen von Warren Buffett zu profitieren, sind die Anleger bereit, eine Prämie von über 40% zu bezahlen. Diese Prämie war in den vergangenen 10 Jahren recht stabil, nur in der Covid-Krise brach sie mal auf fast 0% ein.


Warren Buffett trifft immer noch alle wichtigen Anlageentscheide. Aber auch er hat bereits ein Alter vom 93 Jahren. Sollte auch er einmal sterben, ist davon auszugehen, dass die Prämie von über 40% auf 0% einbrechen wird. Das wäre für Anleger dann ein Verlust von 40% ohne das die Anlagewerte von Berkshire Hathaway auch nur einen USD verloren hätten.

Um dem zu entgehen, gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann mit dem Link von oben das Portfolio von Warren Buffett selbst nachbauen. Bei neuen Käufen ist man dann aber in der Regel einen Monat zu spät. Oder man kauft Anlagefonds von Managern, die eine fast identische Anlagepolitik wie Warren Buffett verfolgen und auch viele identische Titel im Portfolio haben. Diese Fonds werden jeden Tag zum Nettoinventarwert gehandelt, also ohne Prämie. Das sind Manager wie Lyrical oder Doge & Cox.






Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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