• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 44/2021

Gewinnsaison erfolgreich abgeschlossen, Keine Überraschung der Notenbanken, Vergleich der Wirtschaftserholung mit Zyklen der letzten 150 Jahre, Bitcoin Saisonalität und das Gold-Modell




Chart der Woche

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 03.11.2021, Zeitstempel: 9.40


Bei der Bekanntgabe der Firmenresultate für das abgelaufene Quartal, geben die Firmenchefs meist auch einen Ausblick auf die Probleme und Sorgen für das folgende Quartal.


Warum das wichtig ist:

Die Firmenchefs kennen ihre Firmen genau und die Sorgen von heute werden sich in den Firmenresultaten von Morgen widerspiegeln. Die Zusammenstellung hat daher einen sehr guten Prognosecharakter. Aktuell machen sich die Firmenchefs am meisten Sorgen, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, über Lieferketten und Lieferschwierigkeiten und über eine nachlassende Nachfrage. Gegenüber dem letzten Quartal tauchen neu auch die Sorgen auf, ob man genügend Marktmacht hat um die Preise zu erhöhen und über die Bonität der Kunden. Diese Sorgen deuten auf tiefere Quartalsergebnisse für das 4. Quartal, als im 3. Quartal und auf ein weiter inflationäres Umfeld mit steigenden Löhnen und Lieferkettenproblemen.

Gewinnsaison erfolgreich abgeschlossen

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 01.11.2021, Zeitstempel: 4.29


Die Grafik zeigt auf, wie viele Firmen aus dem S&P 500 Index ihre Gewinnerwartungen geschlagen haben (blau), wie viele im Rahmen der Erwartungen lagen (schwarz) und wie viele die Erwartungen enttäuscht haben (rot). Auf den ersten Blick sehen die Zahlen toll aus. Über 80% haben die Erwartungen geschlagen und nur 13% haben enttäuscht. Auf den zweiten Blick fällt aber die abnehmende Dynamik der Firmen auf, die die Erwartungen übertreffen konnten, und auch dass sich die Anzahl der Firmen, die die Erwartungen nicht erfüllt haben, fast verdoppelt hat.


Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 01.11.2021, Zeitstempel: 4.47


Seit 2019 war es vor allem der Technologiesektor der für positive Überraschungen bei der Publikation von Gewinnresultaten gesorgt hat. Wie schon im 2. Quartal, konnte der Technologiesektor diese Führungsrolle nicht bestätigen. Dies ist für uns ein Zeichen, dass der Technologiesektor realistischer Bewertet wird. Die zum Teil krassen Überbewertungen bauen sich ab. Aktuell ist man daher in soliden Substanztiteln (Value) besser investiert.

Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 25.10.2021


Regelmässige Leser dieses Blogs kennen diese Grafik bereits. Sie zeigt die Gewinnprognosen für die letzten 10 Jahre an (alle Daten links von der Null-Linie) und die effektiv publizierten Resultate (rechts von der Null-Linie). Im 3. Quartal wurde im Durchschnitt eine Gewinnsteigerung von 28% erwartet, geliefert wurde aber 32%. Im 2. Quartal wurden 64% erwartet und 96% wurden geliefert. Für das 4. Quartal 2021 (blaue Linie) wird aktuell ein Wert von +20% erwartet. Aufgrund des in der Rubrik "Chart des Monats" besprochenen Sorgen-Barometers glauben wir nicht, dass sich diese Prognose bis Ende Jahr noch stark verbessern wird und sogar die Gefahr besteht, dass im 4. Quartal mehr Firmen enttäuschen werden.

Keine Überraschung der Notenbanken


Am Mittwoch hat die US-Notenbank genau das geliefert, was erwartet wurde. Die monatlichen Anleihenkäufe von USD 120 Milliarden werden um 15 Milliarden pro Monat gedrosselt. Damit hat offiziell das Tapering und der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik begonnen. Wobei die US-Notenbank klar machte, dass sie es nicht dringend hat und sie die Politik nur sehr langsam wechselt. Die Notenbank aus England und Japan haben am gleichen Tag ähnliche Ankündigungen gemacht. Wir haben weiter eine expansive Geldpolitik der Notenbanken um die Wirtschaft und die Aktienmärkte zu stützen, aber etwas weniger als in den letzten Monaten. Für die Aktienmärkte dürfte das in den nächsten Monaten einen positiven Einfluss haben.


Vergleich der Wirtschaftserholung mit Zyklen der letzten 150 Jahre


Seit dem starken Einbruch der Wirtschaft nach dem Ausbruch der Covid-Pandemie hat sich die Wirtschaft seit dem April 2020 wieder stark erholt. Seit 1870 gab es 30 solche Expansionsphasen nach einer Rezession. Wie stehen wir im Vergleich zu den bisherigen Expansionsphasen der letzten 150 Jahre und was für Schlüsse lassen sich daraus ziehen?


Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 20.10.2021


Die Zunahme der Inflation macht vielen Marktteilnehmern Sorgen. Wie auch uns. Die Grafik zeigt aber, dass wir, was die Inflation angeht, in etwa im Rahmen der bisherigen Erholungen lagen. Was aus der Grafik aber nicht ersichtlich ist, dass wir im Vergleich zu den bisherigen Zyklen eine immer noch laufende Pandemie haben, die sämtliche Lieferketten durcheinander wirbelt.


Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 20.10.2021


Im Vergleich zu den bisherigen Expansionszyklen hat der S&P 500 schon sehr stark zugelegt. Ein langsameres Wachstum des S&P 500 oder eine kleinere Korrektur würden daher nicht überraschen. Die Notenbanken können diese Korrektur natürlich mit einer weiteren expansiven Geldpolitik abschwächen oder gar verhindern.


Quelle: Isabelnet, 06.11.2021


Bei der Arbeitslosigkeit in den USA sieht man deutlich, wie anders die Entwicklung war, als in bisherigen Expansionsphasen. Hier dürfte die Erholung rasant weiter gehen. So gut diese Entwicklung für jeden in den USA ist, der einen Job sucht, so schlecht dürfte es für die Entwicklung der Lohninflation sein. Von der Seite droht aktuell die grösste Gefahr für eine grössere Börsenkorrektur.



Bitcoin Saisonalität und das Gold-Modell


Seit der Auflage der ersten Futures-ETF auf Bitcoin hat das Interesse der grossen Banken und Vermögensverwalter an dem Thema Krypto-Währungen stark zugenommen. Eine der Analysen die aktuell in der Krypto-Szene am meisten geteilt und besprochen wird, ist die Analyse von Jurrien Timmer. Er ist der Anlagechef (CIO) des traditionellen Asset-Managers Fidelity.


Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 27.10.2021


Jurrien Timmer vergleicht die Preisentwicklung des Bitcoins mit der von Gold von 1970 bis 1980. Erst 1970 entdeckte der Anlagemarkt Gold und es wurden erste Produkte lanciert, um Gold mit Anlageprodukten in die Portfolios von Endkunden zu integrieren. Also genau der Prozess der aktuell mit Bitcoin vor sich geht. Auch 1970 war der Goldpreis volatiler und nur wenige Banken haben Gold in die Anlagepolitik integriert, heute ist das eine Selbstverständlichkeit für jede Bank.

Die Übereinstimmung der Charts ist eindrücklich und die Prognose um so mehr. Ein Anstieg auf 100'000, also über 66% noch in dem Jahr und ein Anstieg auf 200'000 im Jahr 2022, also ein Anstieg um 230% von heute aus gesehen.


Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Saisonalität von Bitcoin.

Quelle: Bespoke Investment Group, 08.09.2021


Die Grafik zeigt die durchschnittliche Jahresentwicklung des Bitcoins der letzten 10 Jahre. Die beste Zeit im Jahr um in Bitcoins zu investieren, ist von Mai bis September und von November bis Ende Jahr. Hat die übliche Weihnachtsrallye in Bitcoin jetzt begonnen?







Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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