• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 41/2022

Aktualisiert: 16. Okt.

Entschleunigung und Desinflation, Ausblick Europa und Asien



Chart der Woche

Quelle: Twitter, Sven Heinrich, @NorthmanTrader, 14.10.2022


Der Grafik zeigt die jährliche Rendite eines Portfolios mit 60 % Aktien und 40 % Obligationen. Die Rendite eines solchen Portfolios ist die schlechteste seit 1929.

Warum das wichtig ist


2022 ist eines der wenigen Jahre, in denen sich die Diversifikation nicht ausbezahlt hat. Die beiden Hauptbestandteile eines Portfolios, Aktien und Obligationen, haben beide eine stark negative Rendite erzielt. Ein solcher Fall ist sehr selten.

Es ist wichtig jetzt an seiner strategischen Asset-Allokation festzuhalten und die Struktur seine Portfolios nicht zu verändern. Wenn man jetzt das Portfolio so anpasst, dass man in dem Jahr nichts verloren hätte, führt dazu, dass man in den nächsten 95 Jahre falsch aufgestellt ist.



Entschleunigung und Desinflation


Der Titel mag verwirren, da aktuell alle über hohe Inflation sprechen, aber niemand über Desinflation. Unter einer Desinflation oder Desinflation versteht man eine Verringerung des Preisniveauanstiegs, das bedeutet die Geschwindigkeit von Preissteigerungen nimmt ab. Desinflation bezeichnet somit eine Verminderung der Inflation, jedoch nicht ein Sinken des Preisniveaus.


Die Inflationszahlen sind weiter sehr hoch und die Publikation der Verbraucherpreise der Woche verheerend und klar über den Erwartungen. Aber die Kerndaten und die Daten unter der Oberfläche beginnen sich zu ändern. Immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaft nun abkühlen wird.

  • Sehr viele Gewinnwarnungen in der letzten Woche von Firmen

  • Lagerbestände steigen (zum Beispiel bei Intel und generell bei Computer)

  • Inflationserwartungen für 2023 sinken

  • Die Obligationenmärkte haben auf neuen negative Daten nicht mehr gross reagiert

  • Internationale Energiebehörde senkt die erwartete Nachfrage nach Öl für das nächste Jahr stark

  • Auftragsbücher vieler Firmen sind noch gut gefüllt, aber die neuen Auftragseingänge brechen ein

Quelle: Twitter, The Daily Shot, @SobertLook, 13.10.2022


Die Grafik zeigt eine Zusammenfassung der Umfragen der US-Distriktnotenbanken bei Firmen zu den Auftragsbüchern. Die blaue Linie zeigt die Anzahl Bestellungen, die noch nicht erledigt sind. Aktuell sind die Auftragsbücher bei den meisten Firmen prall gefüllt, aber es kommen keine neuen Aufträge mehr rein, was auf eine massive Abkühlung der Wirtschaft hindeutet. In 2-3 Monaten kann dies zu Sparprogrammen und Entlassungen führen.


Diese Woche haben die ersten Firmen ihre Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal ausgewiesen. In den nächsten Wochen werden viele Folgen.

Quelle: Isabelnet, 15.10.2022


Die Grafik zeigt, wie stark die Analysten die Gewinnschätzungen in den letzten Wochen erhöht oder gesenkt haben. Für den Index werden von allen Analysten, die ihre Prognosen erhöhen, die abgezogen, die die Gewinnprognosen reduzieren. Der Index ergibt ein gutes Stimmungsbild der Wirtschaft. Aktuell zeigt der Index, dass sich die Wirtschaft in den USA merklich abkühlt und die meisten Analysten mit tieferen Gewinnen bei den Firmen rechnen.

Aufgrund des sogenannten Basiseffektes dürften die Hauptinflationszahlen aber erst im Oktober nachgeben. Die Inflation wird immer mit der Veränderung über ein Jahr gemessen. Im September 2021 stieg die Inflation um 0,4 % und im Oktober 2021 um 0,9 %. Je höher der Anstieg vor einem Jahr war, desto höher ist die Chance von einem Rückgang in dem Jahr. Wenn dann der breite Markt im Oktober auf die Trendwende reagiert, haben sich die Profis schon positioniert.


Das heisst aber nicht, dass es noch weitere Rückschläge geben wird. So sind zum Beispiel in dieser Woche die durchschnittlichen Mieten in den USA so stark gestiegen wie das letzte Mal 1990. Solche Informationen sorgen immer wieder für einen Dämpfer. Nach 2-3 Tagen Abgaben, melden sich die Käufer aber sofort wieder zurück.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 13.10.2022, Zeitstempel: 20.07


Die letzte so starke Zinserhöhungen wie heute in der US-Notenbank gab es 1973. Die Grafik zeigt den Verlauf des S&P 500 und der Inflation von 1970 bis 1976. Der Umschwung an den Aktienmärkten geschah nicht, als die Inflation wieder tief war, sondern bei der Trendwende von sich abkühlender Inflation. Darum ist es wichtig jetzt investiert zu sein und nicht zu viel in Cash zu halten.


Die Woche waren die Märkte ausser Rand und Band. Zum Teil gab es Intraday-Bewegungen von an die 5 %. Solche starken Bewegungen sieht man oft, wenn eine grössere Trendwende ansteht.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 11.10.2022, Zeitstempel: 2.39


Dies ist eine weitere Grafik, die zeigt, wie nahe wir wohl vor einer Trendwende stehen. Die Grafik zeigt die Anzahl der Aktien im S&P 500, die über dem 200 Tagesdurchschnitt gehandelt werden. Aktuell sind das nur ganz Wenige. Meist kam es auf diesem tiefen Stand nach vergangenen Krisen zu einem Umschwung und zu einer Gegenbewegung zum langfristigen Durchschnitt.


Ausblick Europa und Asien

Quelle: Isabelnet, 14.10.2022


Die Grafik zeigt die Bewertung europäischer Aktien anhand des Preis/Gewinn Indikators. Europäische Aktien sind im historischen Vergleich tief bewertet. Nur während der Covid-Krise und nach der Finanzkrise waren sie tiefer bewertet.


Für eine grosse Umschichtung von US-Aktien zu europäischen Aktien dürfte es hingegen noch etwas zu früh sein, solange der USD so stark ist.

Der USD ist so stark wie nie in den letzten Jahrzehnten, aber solange die Zinsen in den USA massiv höher sind als in Europa und der Krieg in der Ukraine andauert, wird die USD-Stärke wohl noch anhalten.


Quelle: Isabelnet, 14.10.2022


In Asien ist China der grösste Player. Die Grafik zeigt die Entwicklung des Aktienindex in Hongkong seit 1969. Wir stehen jetzt an einer kritischen Marke, in denen ein Umschwung stattfinden sollte. Der Einbruch ist vor allem auf die Schwäche der chinesischen Wirtschaft und der grossen Unsicherheit wegen der Immobilienkrise zurückzuführen. Die Hoffnung auf bessere Renditen in China und auch Asien, basiert aber auf der Annahme, dass sich fundamental nichts geändert hat. Bisher war Asien und insbesondere China die Fabrik der Welt. Durch die Lieferkettenprobleme und die Regionalisierung, die durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde, könnte sich das aber stark ändern. Viele westliche Firmen überlegen sich aktuell, die Produktion von Asien in die Heimmärkte zu verlegen. Wie stark diese Auswirkungen sind, lässt sich aktuell nur schwer abschätzen. Als Gegenkraft wirkt, dass China immer weniger vom Export, sondern vom lokalen Konsum abhängt und wohl in einigen Jahren die USA als grösster Konsummarkt der Welt ablösen wird.

Der Schlüssel wird hier wohl sein, auf Firmen zu setzten, die vom lokalen Konsum in Asien profitieren und weniger vom Export abhängig sind.




Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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