• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 37/2022

Inflation sinkt aber zu langsam, Anleger sind (zu) vorsichtig, Europa hat Aufholpotenzial



Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 15.09.2022


Der Chart zeigt die flexible (blau) und die "klebrige" (rot) Inflation. Bei der flexiblen Inflation betrachtet man Güter und Dienstleistungen, die im Preis volatil sind und steigen und fallen können. Das ist zum Beispiel die Elektronik. Ein Notebook wurde wegen teureren Transportwegen und der Knappheit an Halbleitern teurer, aber sinkt nun wieder im Preis. Bei der "klebrigen" Inflation ist das nicht der Fall. Die Fixlöhne, die eine Firma zahlt, können ansteigen, aber sinken selten.



Warum das wichtig ist


Die Inflation war bisher hoch, da wegen der Covid-Krise die Transportwege nicht funktionierten und wegen des Anstieges der Energiepreise. Diese Kostentreiber gehen jetzt zurück und die Inflation sollte sinken. Sie sinkt zwar, aber nur sehr langsam. Das liegt daran, dass nun die "klebrige" Inflation anzieht. Diese Inflation ist für die Firmen sehr schädlich, da die Fixkosten ansteigen. Für eine Entwarnung an der Inflationsfront ist es also, trotz den etwas tiefen Zahlen zu früh. Die Inflation dürfte uns noch länger begleiten.


Konsum sollte einbrechen


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 13.09.2022, Zeitstempel: 06.27


Bei einer grossen Umfrage wurden die Konsumenten befragt, was ihnen am meisten Sorge macht. Dabei wurden die Resultate nach Einkommen sortiert. Blau sind die tiefsten Einkommen und Orange die höchsten Einkommen.


Die Konsumenten mit tiefen Einkommen machen sich vor allem Sorgen um den Anstieg der Hypothekenzinsen. Die hohen Einkommen machen sich dagegen Sorgen um die weltweite und lokale politische Lage und haben Angst, dass ihre Investitionen an Wert verlieren könnten.

Fast 70% der Konsumenten sagten in der Umfrage, dass sie ihren Konsum reduzieren wollen. Dabei war die Antwort bei allen Einkommensklassen in etwa gleich. Dies ist aussergewöhnlich und kommt so selten vor.



Anleger sind (zu) vorsichtig


Jeden Monat befragt die Bank of Amerika die weltweit grössten Anleger zu ihrer Anlagepolitik und ihren Sorgen. Da diese Investoren für mehr als 70% aller Volumen zuständig sind, die an den Börsen gehandelt werden, ist es sehr wichtig sie zu beobachten und zu verstehen, was ihr Anlageverhalten treibt.


Quelle: Isabelnet, 15.09.2022


Hier wurde den grossen institutionellen Anleger die Frage gestellt, wo sie aktuell die höchsten Risiken sehen. Nach wie vor machen sie die meisten Sorgen um die hohe Inflation und die zu aggressiven Notenbanken. Auch die Sorge um die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind gross. Die Sorge um eine globale Rezession hat aber abgenommen. Was die Anleger also am meisten dazu bewegen kann, wieder aggressiver zu investieren, sind Neuigkeiten, die die Notenbanken dazu veranlassen, die Zinsen weniger stark zu erhöhen oder eine Beruhigung im Krieg in der Ukraine. Solche Neuigkeiten haben das Potenzial, die Börse 3-5% an einem Tag nach oben zu treiben.


Quelle: Isabelnet, 14.09.2022


Hier wurden die Anleger gefragt, wie hoch sie denken, dass die Notenbanken im aktuellen Zyklus die Zinsen maximal erhöhen werden. Die meisten Anleger erwarten mittlerweile ein Anstieg über 4 %. Also nochmals fast eine Verdoppelung. Das zeigt, wie viel negative Nachrichten bereits in den Kursen sind. Sehr viel schlimmer kann es nicht kommen.


Quelle: Isabelnet, 14.09.2022


Hier wurden die Anleger gefragt, wo sie den grössten "crowded trade sehen. Also die Anlage, wo alle Anleger hinrennen, aber wo die meisten wohl einen Verlust machen werden. Noch im Juni war dies Anlagen in Öl und Rohstoffen. Da haben sie recht behalten. Fast alle Anleger, die zu dem Zeitpunkt in Öl oder Rohstoffen eingestiegen sind, haben Geld verloren. Aktuell denken die meisten Befragten, dass Anleger, die jetzt noch in den bereits sehr starken USD anlegen, das gleiche Schicksal erleiden werden.


Der USD steigt aktuell so stark, weil:

  • Die Zinsen in den USA steigen stärker an als in Europa.

  • In grossen Krisensituationen sieht man immer eine Flucht in die Weltwährung, und das ist aktuell nur der USD. In der Covid-Krise war das schon zu beobachten. Und nach der Covid-Krise konnte das Geld nicht aus dem USD abfliessen, da nahtlos der Ukraine-Krieg die Anleger verunsicherte.

Sobald einer der beiden Kriterien sich ändert, rechnen wir mit einem tieferen USD.


Quelle: Isabelnet, 15.09.2022


Hier wurden die Anleger befragt, ob sie damit rechnen, dass die globalen Firmengewinne eher zu oder abnehmen werden. Hier ist nicht weiter erstaunlich, dass die Mehrheit mit sinkenden Profiten rechnet, sondern das Ausmass. Es sind mehr Anleger negativ als während der Finanzkrise 2008. Es ist sogar der negativste Wert seit der Messung von 1997.

Wir denken, dass die Negativstimmung zu stark und übertrieben ist. Noch schlechter ist fast nicht möglich. Darum sehen wir die Kurse auch eher höher als tiefer.


Aber nicht nur die grossen institutionellen Anleger sind sehr negativ eingestellt.

Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 12.09.2022, Zeitstempel: 03.28


Die Grafik zeigt eine Umfrage der AAII (American Assiciation of individual investors, amerikanische Kleinanlegervereinigung). Sie fragte alle Mitglieder, ob sie mit steigen Kursen rechnen (Bullen) oder mit sinkenden Kursen (Bären). Die grosse Mehrheit rechnet auch hier mit tieferen Kursen. Der Anstieg der optimistischen Anleger, der noch vor einigen Wochen zu sehen war, ist jäh verfolgen.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 13.09.2022, Zeitstempel: 05.26


Doch wieder zurück zu den institutionellen Anlegern und der Umfrage der Bank of America. Hier wurden die Anleger gefragt, wie stark sie über- oder untergewichtet in Aktien sind (dunkelblau). Aktuell sind mehr Anleger untergewichtet in Aktien als noch in der Finanzkrise, wo viele mit einem Totalkollaps des Finanzsystems gerechnet hatten. In hellblau ist im Chart die jährliche Veränderung des S&P 500 angezeigt. Wir gehen davon aus, dass sie die negative Stimmung reduzieren wird. Dadurch wird die Investitionsquote ansteigen und die Kurse an den Börsen zulegen.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 13.09.2022, Zeitstempel: 06.29


Hier wurden die grossen institutionellen Anleger gefragt, wie hoch ihre Bargeldquote ist. Auch diese ist sehr hoch. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann diese Gelder wieder an den Aktienmarkt fliessen.



Europa hat Aufholpotenzial


Mittel und langfristig treiben die Gewinne der Firmen die Börse an. Wenn sie gute Geschäfte machen und die Gewinne steigern, so steigt auch ihr Wert an der Börse.


Quelle: Isabelnet, 16.09.2022


Die Grafik zeigt die Gewinnprognosen der Firmen in den unterschiedlichen Regionen an.

Von Januar 21 bis März 2021 sind die Gewinnprognosen für amerikanische und europäische Firmen in der gleichen Geschwindigkeit gestiegen. Seit dem Frühjahr sind die Gewinnprognosen für europäische Firmen weiter angestiegen, aber diejenigen für amerikanische Firmen haben abgenommen. Dennoch haben die Börsen in den USA mehr zugelegt als in Europa.

Europäische Firmen haben also Aufholpotenzial. Leider wird alles durch den Krieg in der Ukraine überschattet. Viele Anleger rechnen mit einer Energieknappheit im Winter und dass ganze Branchen stillgelegt werden müssen. Darum investieren sie lieber in den USA, wo sie auch noch mehr Zins bekommen.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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