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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 34/2023

Börsenstimmung verschlechtert sich, US-Technoloiesektor


Chart der Woche


Quelle: Twitter, Lawerence H. Summers, @LHSummers, 24.08.2023


Die Grafik zeigt die Inflation in den USA von 1966 bis 1982 (blau) und die Inflation von 2013 bis heute (orange).

Warum das wichtig ist


Die Zeit um 1970 gilt am ehesten vergleichbar mit der Entwicklung von heute und den letzten Jahren. 1973 kam es nach einer längeren Phase von tiefer Inflation zu einem sehr starken Anstieg, welche die Notenbank mit stark ansteigenden Leitzinsen bekämpfte. Die Ähnlichkeit der Inflationsentwicklung ist bisher verblüffend. Wenn es im gleichen Drehbuch weitergeht, so wird die Inflation noch ca. 1 Jahr weiter sinken, aber dann fast 4 Jahre nochmals stark zulegen. In den 70er Jahren war der Grund für die stark ansteigende Inflation, der hohe Ölpreis und die Politik der Notenbanken, die Geldmenge massiv zu erhöhen, um die grossen Staatsdefizite zu finanzieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Notenbanken aus der Geschichte gelernt haben und den gleichen Fehler nicht mehr machen. Eine Sorge bleibt aber der Ölpreis. Wegen der Energiewende wird nur noch sehr wenig in die Entdeckung und den Ausbau neuer Ölquellen investiert. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Ölverbrauch 2023 auf ein Allzeithöchst steigt. Wer aktuell eine Hypothek abschliesst, sollte zur Sicherheit eine möglichst langfristige Festhypothek abschliessen.


Börsenstimmung verschlechtert sich


In den vergangenen drei Wochen hat sich die Stimmung an den Börsen verschlechtert. Die Hauptbörsen sind dann auch 5-7% nach unten gegangen. Dies aus folgenden Gründen:

  • China, die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, kommt nicht vom Fleck. Es gab keine Covid-Erholung, und nun kocht die Immobilienkrise wieder hoch. Evergrande hat in den USA Gläubigerschutz beantragt und die Nummer 2 der Branche in China (Country Garden ) hat die Zinszahlungen auf Kredite gestoppt.

  • Die Wirtschaft in den USA kühlt nicht ab und Zinsen könnten noch mehr steigen

  • Dazu als Widerspruch hören bekannte Stimmen wie Michael Burry nicht auf vor einem Crash und einer grossen Rezession zu warnen.


Quelle: CME Fedwatch, 26.08.2023


Die Grafik zeigt, welche Zinsentscheide die Anleger von der US-Notenbank in den nächsten 11 Treffen erwarten. Blau markiert ist jeweils die Bandbreite mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Noch vor einer Woche wurde erwartet, dass die Zinsen bis im Mai 2024 stabil auf dem aktuellen Level bleiben. Jetzt erwartet eine hauchdünne Mehrheit, dass es nochmals zu einer Zinserhöhung im November kommt. Die Zinsen sind dann auch weiter gestiegen und haben für Verluste bei Anleiheanleger gesorgt.


Quelle: Isabelnet, 25.08.2023


Die Grafik zeigt eine Umfrage der Bank of America bei den grössten institutionellen Geldanlegern. Die Frage war, ob und wann sie eine Rezession erwarten. Seit dem Juli haben sich die Erwartungen stark verschoben. Viele erwarten nun keine Rezession mehr im 4. Quartal 2023. Die Anzahl der Anleger, die gar keine Rezession mehr erwarten, hat sehr stark zugenommen.


Quelle: Twitter, Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 25.08.2023


Die Grafik zeigt den Zinssatz der 10-jährigen US-Staatsanleihe (schwarz), die Leitzinsen der Notenbank (gelb), die Zinskurve (SOFR) berechnet durch die Futurespreise, und die Erwartungen der stimmberechtigten Mitglieder der US-Notenbank (violettfarbene Punkte).

Es gibt an den Börsen das Sprichwort: "Neverver fight the FED", Stell Dich nie gegen die Notenbanken. Basierend auf dieser Börsenregel fokussieren wir in der Analyse auf die stimmberechtigten Mitglieder der US-Notenbank. Sie sind die am besten informierten Akteure und sie treffen auch die wichtigen Entscheidungen. Die Zinsen könnten also noch etwas steigen, aber dann stärker sinken, als die meisten erwarten. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe dürfte also nahe an den Höchstständen für die nächsten 3-4 Jahre sein.


Wir glauben nicht an die Neue Welt, mit keiner Rezession und einer Inflation, die wieder auf 1-2% sinken wird.


Quelle: Isabelnet, 23.02.2023


Wir sind überzeugt, dass sich das langfristige Zyklusmodell in der Grafik oben auch dieses Mal bewahrheiten wird. In der Tat hat sich bisher die von vielen erwartete Rezession nicht bewahrheitet. Wenn man aber etwas hinter die Wirtschaftszahlen schaut, sieht dies anders aus.

Quelle: Twitter, Lance Roberts, @LanceRoberts, 25.08.2023


Die Zahl der Arbeitslosen hat sich bisher in den USA nicht stark erhöht. Dies wird als häufigstes Argument aufgeführt, dass keine Rezession droht. Die Grafik oben zeigt auf, in wie vielen Bundesstaaten in den USA die Erwerbslosigkeit zunimmt (schwarz). Die blaue Linie zeigt die Entwicklung in den Wochen, bevor eine Rezession beginnt und in den Wochen danach (blaue Linie). In einigen US-Bundesstaaten hat sich das Blatt bereits gewendet, das sollte bald auch in der Gesamtzahl ersichtlich werden.


Quelle: Yardeni Research, Consumer Credit, 26.08.2023


Die Grafik zeigt die Zunahme von Konsumkrediten der bei den US-Banken. Seit dem Ende der COVID-Krise haben diese um fast 25% zugelegt. Dies ist ein Indiz, dass der aktuell hohe Konsum mehrheitlich über eine höhere Kreditaufnahme erfolgt und nicht, weil es den Konsumenten besser geht. Bei den aktuell hohen Zinsen kann ein Konsum auf Pump nicht für lange so weitergehen.


Quelle: Isabelnet, 25.08.2023


Die Grafik zeigt 20 verschiedene Bewertungsgrössen des US-Aktienmarktes. Wir fokussieren uns auf das Schiller P/E, das nach der Theorie des Nobelpreisträgers Robert Schiller berechnet wird. Der aktuelle Wert beträgt 30.8. Dieser Wert ist 77% über dem langfristigen Durchschnitt von 17.4. Der Maximalwert seit 1881 war 44.2, dieser wurde in der Tech-Bubble im Jahre 2000 erzielt. Das gleiche Bild zeigt sich bei allen Bewertungsgrössen. Sie sind zwar noch von den Höchstständen entfernt, aber alle Bewertungsgrössen sind weit über dem langfristigen Durchschnitt und deuten auf eine Überbewertung von Aktien hin.

Quelle: Twitter, Game of Trades: @GameofTrades, 25.08.2023


Ein guter Indikator für eine aufkommende Rezession ist in der Regel die Entwicklung am Immobilienmarkt. Die Grafik zeigt die Anzahl der Verkäufe von bereits existierenden Häusern auf. Die Verkäufe haben seit anfangs Jahr massiv abgenommen. Seit 1968 war dies immer ein verlässliches Zeichen, dass eine Rezession droht.


Quelle: Twitter, The Kobeissi Letter, @KobessiLetter, 25.08.2023


Die Grafik zeigt auf, wie stark sich der US-Immobilienmarkt durch die höheren Zinsen verändert hat. Die monatlichen Kosten, wenn man heute ein Haus kauft, sind fast 50% höher, wie wenn man die gleiche Wohnfläche mieten würde.

Dieser Zusammenhang dürfte für weiter einbrechende Hauskäufe führen. Die USA sind, was die Zinsentwicklung angeht, einige Monate vor Europa. Falls in Europa die Zinsen auch weiter ansteigen, droht auch hier ein Einbruch des Immobilienmarktes.



US-Technoloiesektor


Alle Anleger sprechen über den US-Technologiemarkt. Jeder will noch von den Preissteigerungen profitieren.

Quelle: Isabelnet, 26.08.2023


Die Grafik zeigt das Erfolgsmodell USA. Seit 2010 hat der US-Aktienmarkt eine wesentlich bessere Rendite als der Rest der Welt. Das liegt mehrheitlich an der Entwicklung des Technologiesektors. Firmen wie Apple, Google, Amazon, Netflix oder Tesla haben unser aller Leben nachhaltig verändert. Aber kann das ewig so weitergehen? Die nächste Aufwärtsphase könnte Artificial Intelligence einleiten. Viele US-Firmen profitieren davon. Wenn man aber die Anzahl neuer Patente in dem Bereich anschaut, ist China und nicht die USA führend. Von den 10 Firmen mit den meisten AI-Patenten sind nur gerade zwei aus den USA (IBM und Microsoft).

Quelle: Isabelnet, 26.08.2023


Die Grafik zeigt die wöchentlichen Zuflüsse in den US-Technologiesektor. Diese sind nach wie vor positiv, aber die Höchststände scheinen erreicht zu sein.


Quelle: Isabelnet, 26.08.2023


Die Grafik zeigt die Gewichtung der grössten 7 Technologiewerte im US-Aktienindex. Fast 30% entfallen nur auf diese sieben Titel. Das macht den eigentlich breiten Aktienindex S&P 500 sehr abhängig von diesen sieben Werten. Nach oben, wie auch nach unten.


Quelle: Isabelnet, 26.08.2023


Stark wachsende Firmen, zu denen auch die Technologiewerte zählen, benötigen günstige Kredite, um schnell wachsen zu können. Seit 2010 ist darum die Korrelation zwischen einer lockeren Geldpolitik (und tieferen Zinsen) der drei grössten Notenbanken (USA, Europa und Japan) und dem Technologieindex (NASDAQ 100) klar ersichtlich. Die Rally der Technologiewerte in dem Jahr fällt hier komplett aus dem Rahmen. Darum sind auch sehr viele langfristig agierende Anleger kritisch auf die jüngste Bewegung, die fast ausschliesslich mit dem Thema Artificial Inteligence begründet wird.


Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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