• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 33/2022

Erwartete Konsolidierung hat begonnen, Zeit der extremen Positionen, Positionierung der weltweit grössten Anleger



Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 20.08.2022


Die Grafik zeigt seit 1789 die Zinsen auf, die Anleger für eine 10-jährige Staatsanleihe bekommen, minus die Inflation. Dies nennt man die Realrendite.



Warum das wichtig ist


Es ist in aller Munde, dass die Zinsen nun wieder steigen. Das sind also gute Zeiten für Obligationen-Anleger, da sie jetzt wieder mehr Zinsen bekommen. Oder etwa doch nicht?

Entscheidend sind nicht die Nominalzinsen, sondern die Zinsen nach Inflation, die Realzinsen. Aktuell bekommen zwar Obligationen-Anleger mehr Zinsen, aber die Inflation ist auf einem historischen Höchststand und frisst die Rendite wieder weg. Eine Anlage in Obligationen lohnt sich aktuell noch nicht.

Die beste Anlage in Zeiten hoher Inflation sind Aktien. Bei stetiger steigender Inflation gelten Aktien als die beste Anlage mit Inflationsschutz. Die Firmen besitzen viele reale Werte, die mit der Inflation steigen und können auch die Preise erhöhen, um ihre Margen zu halten.


Erwartete Konsolidierung hat begonnen


90 % der Firmen haben mittlerweile die Gewinne für das zweite Quartal 2022 publiziert. Bis vor letzter Woche haben 75 % der Firmen die Erwartungen geschlagen. Das ist ein sehr guter Wert. In dieser Woche habe aber nur noch 50 % der Firmen die Erwartungen geschlagen. Das reichte, um den steilen Aufwärtstrend der letzten Wochen zu brechen.


Der Wirtschaft in China geht es nicht gut. Die ständigen Schliessungen ganzer Regionen wegen der Covid-Zero Politik und die immer noch schwelende Immobilienkrise setzten dem Land mehr zu als erwartet. Diese Woche kamen noch Energierationierungen wegen Trockenheit hinzu. Die Notenbank in China hat deshalb überraschend die Leitzinsen gesenkt. Die schwache Wirtschaft mag ein Grund für die harsche Reaktion Chinas gegen Taiwan sein, aber gleichzeitig aus unserer Sicht auch der Grund, warum die Lage nicht weiter eskalieren sollte. Xi Jinping will im Herbst vom Volkskongress ein drittes Mal zum Präsident nominiert werden. Er ist intern unter Druck wegen seiner Wirtschaftspolitik. Ein Konflikt mit den USA und Taiwan eint die Reihen. Gleichzeit kann er aber einen Krieg mit Taiwan und den USA nicht riskieren, da dann gegen China gleiche Sanktionen erhoben würden wie gegen Russland. Die Wirtschaft in China ist aktuell zu schwach um dies zu bewältigen bzw. die Gefahr, dass vor der Wiederwahl die wirtschaftliche Lage komplett aus dem Ruder läuft zu gross.

Schockiert hat die Börse auch die sehr hohen Inflationszahlen in England von über 10 %.

All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Börse nun in eine Konsolidierungsphase eingetreten ist.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 15.08.2022, Zeitstempel: 12.28


Der Chart zeigt, bei wie vielen Aktien aktuell der Preis über dem 50-Tage Durchschnitt gehandelt wird. Auf solche "technischen Indikatoren" lohnt es sich zu schauen, um den Markt besser einzuschätzen. Noch im Juni war ein exzellenter Zeitpunkt um einzusteigen, seit dem hat der Markt so stark und schnell zugelegt wie schon lange nicht mehr. Eine Konsolidierung erschien also unausweichlich. Solche Aspekte sind allerdings mehr für kurzfristige Anleger interessant. Mittel- und langfristige Anleger, zu denen wir uns zählen, bleiben auch in solchen Phasen investiert. Die Börse schwankt immer hin und her, wichtig ist es, die generellen Trends zu erkennen. Und dazu gehören die Zusammenhänge, die wir weiter oben unter dem Chart der Woche aufgeführt haben.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 15.08.2022, Zeitstempel: 2.39


Die Grafik zeigt den US-Einkaufsmanager-Index (rot, ISM PMI) und die Neubestellungen minus die Lagerbestände. Aktuell nehmen die Lagerbestände stark zu. Nach der COVID-Zeit mit vielen Lieferengpässen ist nun verständlich, dass viele Firmen ihre Lager nun verstärkt auffüllen. Üblicherweise ist das aber ein Signal für bald abnehmende Produktionszahlen. Etwas Vorsicht beim Anlegen ist also durchaus angebracht.


Quelle: YouTube Markus Koch Wall Street vom 17.08.2022, Zeitstempel: 08.37


Die Grafik zeigt die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen von 2 Jahren im Vergleich zum S&P 500. Wie in vielen der vorherigen Blogs erläutert, ist die Zinsentwicklung entscheidend für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte. In den letzten Wochen haben sich die Preise am Aktienmarkt von den Obligationen-Zinsen entkoppeln können. Das war aber auch schon im März und April von dem Jahr der Fall.

Wir glauben, dass sich diese zwei Linien wieder angleichen werden. Das kann entweder durch sinkende Zinsen oder sinkende Aktienkurse geschehen.



Zeit der extremen Positionen Alle drei Monate müssen die grossen Investoren in den USA bei der SEC offenlegen, welche Positionen sie haben. So lassen sich die Aktivitäten einiger der grössten und in der Vergangenheit erfolgreichsten Investoren beobachten. Aktuell könnten die Zahlen unterschiedlicher nicht sein, was auch gut widerspiegelt wie schwer es ist aktuell eine gute Anlagepolitik zu entwickeln.


Michael Burry, der vielen sicher bekannt ist aus dem Film "The Big Short" hat alle seine Positionen, die er hat, verkauft. So zum Beispiel auch Amazon und Apple. Anfangs Jahr hat er noch für 55 Millionen gekauft. Michael Burry hat den Immobiliencrash von 2007 vorausgesehen und hunderte von Millionen damit verdient. Er ist aktuell der Meinung, dass die Reduktion der Bilanz der US-Notenbank plus die Zinserhöhungen zu einem Totalkollaps der Wirtschaft und der Börsen führen wird. Er vergleicht die Börse mit einem Drogenjunkie, dem die Drogen (günstiges Geld) entzogen werden.

Auf der anderen Seite haben wir Warren Buffett. Einer der weltweit bekanntesten Anleger. 1954 begann er seine Investmentkarriere mit USD 105'100. Nun beläuft sich sein Vermögen auf über USD 110 Milliarden.

Warren Buffett ist ein langfristiger Anleger, der sich auf Substanztitel spezialisiert hat. Er verkörpert wie kein anderer Investor die Anlagephilosophie von Benjamin Graham, dem Begründer der (Deep)-Value Analyse. Aktien werden mit einem Abschlag von über 30 % zum inneren Wert gekauft und langfristig gehalten. Warren Buffett hat in den letzten Wochen massiv hinzugekauft und die meisten seiner Positionen stark hinzugekauft. So zum Beispiel bei Amazon. Positionierung der weltweit grössten Anleger Interessant ist jeden Monat die Umfrage der Bank of America bei den grossen institutionellen Anleger, wie sie Märkte sehen und wie sie aktuell positioniert sind. Institutionelle Anleger sind für ca. 85% des gesamten Handelsvolumens verantwortlich. Ihre Entscheide bewegen die Märkte.

Quelle: Isabelnet, 19.08.2022


Hier wurden die institutionellen Anleger gefragt, wie stark sie aktuell in Aktien investiert sind. Die Aktiengewichtung ist bei den meisten Anlegern unter dem Durchschnitt. Sie sind entweder in Bargeld oder haben ihre Positionen mit Futures abgesichert. Institutionelle Anleger müssen grösstenteils mit 100 % investiert sein und können ihr Geld nur kurzfristig in Bargeld parken. Dies stimmt positiv, da noch viel Geld in den Markt fliessen und ihn nach oben treiben kann.

Quelle: Isabelnet, 19.08.2022


Hier wurden die Anleger gefragt, wo sie aktuell die höchsten Risiken sehen. Die Angst einer globalen Rezession ist gleich hoch geblieben wie im letzten Monat, aber immer mehr Anleger befürchten, dass die Inflation noch länger hoch bleiben wird. Wie weiter oben beim Chart der Woche erläutert, sind hier Aktienanlagen genau das Richtige, um sich vor Inflation zu schützen.


Quelle: Isabelnet, 18.08.2022


Hier wurden die Anleger gefragt, was passieren würde, dass die US-Notenbank die Zinsen nicht weiter erhöht. Die meisten gehen davon aus, dass dies erst der Fall ist, wenn die Inflation unter 4 % fällt. Selbst bei den optimistischsten Prognosen ist dies erst im nächsten Jahr der Fall.

Genannt wird auch ein Stand des S&P 500 von 3500. Das wäre ein weiterer Verlust von 20 %. Aktuell ist also nicht davon auszugehen, dass die Notenbank auf die Aktienkurse fixiert ist. Ein FED-Put wie wir ihn oft in den letzten Jahren hatten, gibt es aktuell nicht.

Quelle: Isabelnet, 18.08.2022


Hier wurden die Anleger gefragt, ob sie denken, dass Wachstumstitel (Growth) oder Substanztitel (Value) in den nächsten Monaten besser abschneiden werden. Ein Wert oberhalb der Null-Linie bedeutet, dass eine Outperformance von Value erwartet wird. Die Lager sind fast gleich gross, aber das erste Mal seit Mai 2020 erwarten wieder leicht mehr Anleger, dass Wachstumsaktien in den nächsten Monaten besser abschneiden werden.


Quelle: Isabelnet, 18.08.2022


Hier wurden die Anleger befragt, in welcher Anlageklasse sie aktuell die grössten Gefahren sehen, bzw. wo schon alle investiert sind und der Trend kaum weitergehen wird. Klar an erster Stelle ist der starke USD. Die grossen institutionellen Anleger werden also ihre USD-Positionen kaum noch mehr ausbauen und eher reduzieren. Hier hängt aber viel vom Verlauf des Krieges in der Ukraine ab. Bei globalen Unsicherheiten "fliehen" die Anleger in den USD.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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