• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 27/2022

GDP-Wachstum in den USA, Inflationserwartung sinkt, Wie lange dauern Bärenmärkte?

Chart der Woche

Quelle: Isabelnet, 07.07.2022


Der Chart zeigt das Wachstum des Bruttosozialproduktes (GDP) in den USA in den letzten Quartalen an. Das GDP-Wachstum ist die gängigste Zahl, die betrachtet wird wenn man den generellen Stand einer Volkswirtschaft betrachtet.

2021 hat sich die Wirtschaft nach Covid gut erholt aber nun bremst die hohe Inflation das Wachstum.


Warum das wichtig ist


Im ersten Quartal 2022 ist die Wirtschaft in den USA überraschenderweise 1.6% gesunken. Für das zweite Quartal wird aber wieder ein Wachstum von 1.9% erwartet. Die Investmentbank Goldman Sachs, die mit ihren Prognosen oft richtig liegt, erwartet ein noch höheres Wachstum.

Am 28. Juli wird das Wachstum für das zweite Quartal bekannt gegeben. Sollte die publizierte Zahl wieder negativ sein, wären die USA offiziell in einer Rezession. Dies wiederum hätte grosse Auswirkungen auf die Politik der US-Notenbank. Den 28. Juli muss man sich also als Anleger dick im Kalender eintragen.



Inflationserwartung sinkt



Quelle: Isabelnet, 07.07.2022


Der Chart zeigt die Breakeven-Inflationsrate. Sie ist ein Mass für die erwartete Inflation, das von 10-jährigen US-Staatsanleihen mit konstanter Laufzeit und 10-jährigen inflationsindexierten US-Staatsanleihen mit konstanter Laufzeit abgeleitet wird. Der letzte Wert gibt an, welche Inflationserwartungen die Marktteilnehmer für die nächsten 10 Jahre im Durchschnitt haben.

In den letzten Wochen ist die Breakeven-Rate stark gefallen. Die meisten Anleger erwarten nun klar tiefere Inflationswerte. Für die Aktien- und Obligationenmärkte wären dies gute Nachrichten. Die Notenbanken wären dann nicht mehr gezwungen, die Leitzinsen weiter so massiv zu erhöhen.


Quelle: Isabelnet, 07.07.2022


Der Chart zeigt den erwarteten Einfluss der Rohstoffpreise auf die Inflation in den nächsten 1.5 Jahren. Dies unter der Annahme, dass die Rohstoffpreise nicht weiter steigen. Aktuell sind sie sogar stark am sinken. Obwohl von Engpässen im Winter gesprochen wird und die Bewohner von Deutschland und der Schweiz bereits jetzt aufgefordert werden Gas und Energie zu sparen, brechen die Preise an den Märkten für Öl und Gas aber auch Weizen und Mais regelrecht ein.

Seit dem Höchst kurz nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine ist Öl fast 30% tiefer, Gas über 40%, Mais 30% und Weizen auch über 40%. Die meisten Preise sind nur noch leicht höher als vor dem Ausbruch des Krieges.


Diese Marktbewegung zu interpretieren fällt uns schwer. Handelt es sich nur um eine kurzfristige Bewegung, da die Liefermengen nicht so tief sind wie erwartet oder ist es ein Zeichen, für im Hintergrund bereits laufende Friedensverhandlungen?



Wie lange dauern Bärenmärkte?


Viele Anleger schauen mit Sorge auf Ihr Portfolio, da es stark an Wert abgenommen hat. Seit 2009 sind sowohl die Aktien- wie die Obligationenmärkte fast nur nach oben gegangen. Anleger sind sinkende Märkte, in der Fachsprache Bärenmärkte genannt, schlicht nicht mehr gewohnt. Wie ist die aktuelle Abwärtsbewegung historisch einzuordnen?

Quelle: Isabelnet, 08.07.2022


Die Grafik zeigt auf wie sich die Börse 12 Monate vor einem Höchst und 36 Monate danach verhalten hat. Farblich hinterlegt ist die Bandbreite aller Einbrüche und Erholungen. Die Punktelinie zeigt einen kleinen Bärenmarkt (oben) und keine Rezession (unten) und die dicke Linie einen grossen Bärenmarkt (oben) und eine Rezession (unten).

Im oberen Teil der Grafik ist ersichtlich, dass ein kleiner Bärenmarkt zu einem durchschnittlichen Einbruch von 20% führt, ein grosser Bärenmarkt zu einem Einbruch von 40%. Die aktuelle Abwärtsbewegung entspricht also einem kleinen Bärenmarkt. Im schlimmsten Fall geht es aber nochmals 20% tiefer.


Im unteren Teil der Grafik sieht man, wie sich die Märkte verhalten haben, wenn nach der Korrektur von 20%, die Wirtschaft sich erholt hat oder wenn eine Rezession kam. Sollte sich die Wirtschaft nun erholen, so können wir mit steigenden Börsen rechnen, folgt aber nun eine Rezession, so kann die Börse noch weiter nachgeben.


Jede publizierte Zahl, die einen Rückschluss auf den Stand der Wirtschaft gibt, wird aktuell an den Börsen stark beachtet und interpretiert. Die wichtigste Zahl, das GDP-Wachstum in den USA wird am 28. Juli publiziert. In den nächsten Wochen werden viele Firmen ihre Geschäftsresultate für das zweite Quartal publizieren. Diese könnten einen ersten Einblick darauf geben, was uns am 28. Juli erwartet.



Quelle: Isabelnet, 07.07.2022


Die Grafik zeigt in hellblau die Bruttomargen der 1000 grössten Firmen in den USA und in dunkelblau das Konsumentenvertrauen. Die beiden Indikatoren laufen seit 1995 im Gleichschritt. Seit der Messung der Indikatoren ist es noch nie dazu gekommen, dass sie so lange in entgegengesetzte Richtung gehen. In Anbetracht der hohen Inflation und Lohnsteigerungen müssten die Margen eigentlich recht stark sinken, was für die Börse schlecht wäre. Das Konsumentenvertrauen ist aber so negativ, dass es fast nur besser werden kann, was positiv für die Börse wäre.

Auch hier tun wir uns mit einer schlüssigen Interpretation schwer. Die Grafik zeigt aber eindrücklich auf, dass nach Covid und nun noch mit dem Krieg in der Ukraine, die Wirtschaft ihr "altes" Gleichgewicht noch nicht gefunden hat. Dies führt zu Unsicherheiten und weiter hohen Schwankungen an den Märkten.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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