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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 26/2023

Globale Bewertung des Aktienmarkts, Wann kommt die Rezession?, Notenbanken reduzieren die Geldmenge.



Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 24.06.2023


Die Grafik zeigt die durchschnittliche Volatilität des US-Aktienmarktes im Jahresverlauf. Berechnet wird die Datenreihe von der CBOE, einer der weltgrössten Options-Börsen in den USA. Die schwarze Linie zeigt den Durchschnitt der letzten 30 Jahre, die rote Linie die Entwicklung 2023. Der aussergewöhnliche Peak im März, war die Bankenkrise.

Warum das wichtig ist


Die Volatilität ist ein Mass für das Risiko. Von Mai bis Ende Juli verändert sich die Börse oft nicht viel und das Risiko ist geringer. Von September bis Oktober ist das Risiko wesentlich höher.

Wichtig ist die Volatilität auch für Anleger, die Termingeschäfte handeln, also Calls oder Puts kaufen, um mit einem höheren Hebel an der Börse Geld zu verdienen. Je höher die mögliche Bandbreite der Aktienkurse ist (Volatilität), umso teurer sind sie. Käufer von Optionen sollten vorwiegend von Oktober bis Januar aufpassen. Da kann es sein, dass die Erwartung steigender Kurse stimmt, aber wegen der sinkenden Volatilität die Anlage dennoch einen Verlust macht.



Globale Bewertung des Aktienmarkts


Quelle: Isabelnet, 17.06.2023

Die Grafik zeigt, wie viel Geld jede Woche in den Aktienmarkt in den USA fliesst (hellblaue Balken). Die blaue Linie zeigt den Durchschnitt von vier Wochen. Seit Jahren ist die blaue Linie mehrheitlich positiv. Dies führt zu einer sehr hohen Bewertung der Aktien in den USA.

Quelle: Isabelnet, 30.06.2023


Das Gegenteil sieht man in England. Die Grafik zeigt die wöchentlichen Geldflüsse in Aktien in England (hellblauer Balken). Die blaue Durchschnittslinie von 4 Wochen ist mehrheitlich negativ. Seit dem BREXIT meiden die Anleger englische Aktien. Diese Geldflüsse führen zu sehr unterschiedlichen Bewertungen.


Quelle: Isabelnet, 30.06.2023


Die Grafik zeigt das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Aktien verschiedener Länder und Regionen im historischen Vergleich von 20 Jahren. In den meisten Fällen bewegen sich die Bewertungen in dem Bereich des blauen Balkens, mit dem grauen Punkt als Durchschnitt. Die Bewertung der Aktien in den USA (oranger Punkt) ist weit über dem langfristigen Durchschnitt. Ganz anders sieht die Situation in England aus. Hier ist die Bewertung weit unter dem langfristigen Durchschnitt.


Sollte man jetzt Aktien in den USA verkaufen und solche in England kaufen? Nicht unbedingt. Es gibt ein Börsensprichwort: The Trend is your friend (Der Trend ist Dein Freund). Ein Trend geht mehrheitlich länger, als man denkt und es braucht ein Ereignis, um ihn zu drehen.

In den USA könnten das enttäuschende Quartalszahlen einer der viel gelobten neuen Firmen sein, die im Bereich Künstliche Intelligenz tätig sind oder neue Regulierung. In England könnte es die Ankündigung sein, dass die Regierung den Kurs wechselt und wieder die Nähe zu Europa sucht.


Quelle: Twitter, Market Sentiment, @mkt_sentiment, 29.06.2023


Die Grafik zeigt seit 1971 in welchen Phasen die Aktien in Europa (violett) und wann die Aktien in den USA (schwarz) eine bessere Rendite aufweisen. In den vergangenen 50 Jahren hatte man (in USD gerechnet) in 38 Jahren eine bessere Rendite in den USA und nur in 12 Jahren in Europa. Die aktuelle Out-Performance von Aktien in den USA dauert bereits fast 15 Jahre an.



Wann kommt die Rezession?


Ende letzter Woche wurden gute Wirtschaftszahlen publik. Die US-Inflationsrate ist im Mai deutlich gesunken. Das von der Notenbank favorisierte Preismass, der Gesamtindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), lag 3,8 (Vormonat: 4,4) Prozent höher als vor einem Jahr. Diese Zahlen lagen unter den Erwartungen.

Positiv ist nun, dass die Notenbanken nach dem Juli die Zinsen wohl nicht mehr weiter erhöhen müssen, die Gefahr, dass bald eine Rezession kommt, steigt aber. Die Anleger sind aktuell mehr kurzfristig als langfristig orientiert.


Quelle: Twitter, Game of Trades, @GameofTrades, 23.06.2023


In den vergangenen Wochen wurden die Gewinnerwartungen der Analysten für die Resultate der Firmen für das zweite Quartal nach oben revidiert (blaue Linie). Die Gewinnrevisionen haben aber meist eine hohe Korrelation zu den wichtigen vorauslaufenden Wirtschaftsindikatoren (schwarze Linie). Eine ähnliche Diskrepanz gab es 2008 in der Finanzmarktkrise. Die meisten Anleger erwarten jetzt ein ähnliches Bild. Seit 1995 gab es nie einen Fall, in dem die vorauslaufenden Wirtschaftsindikatoren so negativ waren und keine Rezession kam.


Quelle: Twitter, Mike Zaccardi, @NikeZaccardi, 29.06.2023


Übersichtweise gibt es auch eine hohe Korrelation zwischen den Kreditkonditionen für kleine Firmen (NFIB) und der Arbeitslosenrate. Können kleine Firmen nicht investieren, werden auch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Seit 1986 war die Diskrepanz der beiden Vergleichsgrössen noch nie so hoch. Hier deutet vieles darauf hin, dass die Arbeitslosenrate bald stark steigen könnte.



Notenbanken reduzieren die Geldmenge


Wären die oben genannten Zeichen nicht schon negativ genug, reduzieren die Notenbanken aktuell stark die Geldmenge.

Quelle: Isabelnet, 28.06.2023


Die Grafik zeigt die Wertentwicklung des S&P 500 Index im Vergleich zu der Liquidität, die die US-Notenbank zur Verfügung stellt (rote Linie). In der COVID-Zeit war ersichtlich, dass ca. 1/3 der Gelder der Notenbanken nicht in die Wirtschaft, sondern an den Aktienmarkt geflossen sind. Eine Reduktion der Geldmenge hatte bisher immer negative Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Aktuell scheint sich der Aktienmarkt aber nicht darum zu kümmern und steigt weiter.



Die Grafik zeigt die Veränderung der US-Notenbankgeldmenge M2. Das erste Mal seit 90 Jahren wird diese stark reduziert. In Europa sieht man das gleiche Bild.



Die Grafik zeigt die Veränderung der Notenbankgeldmenge in Europa. Das erste Mal seit 1981 ist diese auch stark rückläufig.

Es ist verständlich, dass die Notenbanken, nachdem sie in der COVID-Krise die Wirtschaft stark mit Geld versorgt haben, nun Gegensteuer geben. Die Gefahr besteht aber, dass die Notenbanken jetzt zu stark Gegensteuer geben und die Wirtschaft zu stark bremsen.



Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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