• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 26/2022

Seitwärtsbewegung an den Märkten, Uneinigkeit der Experten, technische Marktanalyse bestätigt mögliche Markterholung.


Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 25.06.2022


Der Chart zeigt die totalen Mittelzuflüsse und -abflüsse in Aktien (hellblaue Linie) und Firmenobligationen (dunkelblaue Linie) seit Januar 2020.


Warum das wichtig ist


Seit Anfangs Jahr ziehen Anleger massiv Gelder aus Firmenobligationen ab. Die Märkte sind auch entsprechend eingebrochen.

Bei den Aktienmärkten ist das Bild anders. Auch sie haben viel an Wert verloren aber es gab nur wenige Abflüsse. Das erstaunt auf den ersten Blick. Es bedeutet aber, dass die grossen institutionellen Investoren mit den grossen Vermögen, bisher nicht verkauft haben. Sie haben ihren Bargeldbestand erhöht durch den Verkauf an Obligationen aber das Geld bisher noch nicht wieder investiert. Wenn auch nur ein Teil davon nicht zurück in Obligationen, sondern in Aktien fliesst könnte das die Aktienmärkte stark beflügeln.



Seitwärtsbewegung an den Märkten, Uneinigkeit der Experten


Der Markt bewegte sich in der vergangenen Woche mit hohen Schwankungen seitwärts. Es kommt selten vor, dass sich die Politikanalysten und die Wirtschaftsexperten so uneinig sind wie aktuell.


Einerseits eskaliert der Krieg in der Ukraine. Die NATO nennt Russland nach Jahren offiziell als Feind und Putin liefert atomfähige Waffen nach Weissrussland. Anderseits gehen einige Experten, wie zum Beispiel Henry Kissinger, der ex US-Aussenminister aber davon aus, dass Putin seine Kriegsziele bald erreicht hat und in einigen Wochen einen Waffenstillstand anbieten könnte.


Obwohl der Krieg unvermindert weiter geht, sinken die Ölpreise und die Weizenpreise brechen geradezu ein. Der Markt stellt erstaunt fest, dass seit dem Beginn des Krieges mehr Öl und Weizen auf dem Markt ist, als vor dem Krieg. Hier zeigt sich wieder mal wie wichtig es ist auf die Zahlen zu schauen und sich nicht von der Panik in der Presse leiten zu lassen. Wir haben hier auch wiederholt gewarnt nicht noch in Öl oder Weizen zu investieren.


Auch was die Wirtschaftsentwicklung angeht, liegen die Experten so stark auseinander wie selten. Einige sehen die Rezession abgewendet. Die Lieferketten kommen wieder ins Lot und der Konsum geht moderat zurück. Andere sehen in den Forderungen der Gewerkschaften nach höheren Löhnen eine Inflationsspirale nach oben, die gerade erst begonnen hat. Zu dem Lager gehören angesehene Spezialisten wie Ray Dalio oder Jeremy Granthan. Und dann ist da noch der Oberpessimist Michael Burry, der die Märkte noch 50% tiefer sieht. Michael Burry hat die Subprime Krise vorhergesehen und wurde reich dabei. Im Film The Big-Short spielt der Schauspieler Christian Bale seine Rolle. Seine Argumentation ist, dass es den Notenbanken nicht gelingen wird, die grosse Expansion der Geldmenge während der Covid-Krise wieder rückgängig zu machen, ohne dass es zu einem Totalkollaps der Wirtschaft führt.


Wir teilen diese extrem pessimistischen Analysen nicht bleiben aber vorsichtig, was die weitere Wirtschaftsentwicklung angeht. Wir sehen eine Gegenbewegung nach oben immer noch als die wahrscheinlichste Entwicklung der nächsten Monate an. Zu den fundamentalen Gründen, die wir in den letzten Marktberichten erläutert haben, kommen noch positive Signale der technischen Analyse hinzu.



Technische Marktanalyse bestätigt mögliche Markterholung.


Die technische Marktanalyse hat zum Ziel mit geeigneten Indikatoren, Tendenzen in der Preisentwicklung, die von Auge schwer zu sehen sind, sichtbar zu machen und so zu besseren Anlageentscheiden zu führen. Sie soll auch dazu dienen massenpsychologische Verhaltensmuster die sich oft wiederholen einfach sichtbar zu machen und frühzeitig zu erkennen. Hier ein aktuelles Beispiel:


Quelle: TradingView, Marmot


Die Grafik zeigt die Preisentwicklung des S&P 500, dem breiten Marktindex in Amerika seit Januar 2020 auf. Die Linie ganz unten im Chart ist der MACD-Index. Der Index zeigt die Divergenz zwischen verschiedenen gleitenden Durchschnitten auf. Eine genaue Definition des Indikators findet man hier. Der Indikator kann als trendfolge oder trendwechsel Indikator eingesetzt werden. Normalerweise läuft der Indikator gleich wie der Preis. Das heisst neue Höchst im Preis führen zu neuen Höchst im MACD (so zum Beispiel bei 1 und 2).

Kommt es jedoch zu Divergenzen ist das üblicherweise ein starkes Signal auf eine Trendwende. So wurde das neue Höchst im Preis den S&P 500 von Anfangs Jahr bei Punkt 3 nicht mit einem höheren Höchststand im MACD gegenüber Punkt 2 bestätigt.

Das Gleiche funktioniert auch in die andere Richtung. So ist zwischen Punkt 4 und 5 der Markt gefallen aber der MACD konnte zulegen. Es folgte eine starke Gegenbewegung.


Aktuell bildet sich wieder eine klare Divergenz zwischen Punkt 6 und 7. Neue Tiefststände im Preis des Index werden vom MACD nicht bestätigt, der höhere Werte zeigt. Wie nach den Punkten 4 und 5 ist nun eine Gegenbewegung wahrscheinlicher als ein weiterer Kursrückgang.


Viele Experten beurteilen die Aussagekraft der technischen Analyse gleich wie das Lesen von Kaffeesatz. Für die langfristige Ausrichtung der Kundenportfolios richten wir uns nach der fundamentalen Analyse. Für das kurzfristige Timing hat uns aber die technische Analyse oft gute Dienste erwiesen. So sind wir zum Beispiel bei Punkt 6 nur mit kleinen Positionen wieder in den Markt eingestiegen und haben erst bei Punkt 7 die Bargeldbeträge in den Kundenportfolios stark reduziert.







Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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