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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 18/2024

Ist der Bullenmarkt zu Ende?, Ist jetzt die Zeit für Anlagen in Europa und den Schwellenländern?



Chart der Woche


Quelle: X, Equity Clock, @EquityClock, 03.05.2024


Letzte Woche am Freitag wurden die neuen Zahlen zum Arbeitsmarkt publiziert, die Nonfarm Payrolls. Die Nonfarm Payrolls messen die Veränderung der Zahl der Beschäftigten im Vormonat, ohne den landwirtschaftlichen Sektor. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist der wichtigste Indikator für die Verbraucherausgaben, die den größten Teil der Wirtschaftstätigkeit ausmachen.

Die Grafik zeigt die durchschnittlichen monatlichen Zahlen seit 10 Jahren (blaue Linie), die Zahlen vom letzten Jahr (grüne Linie) und die Zahlen von 2024 (rote Linie).

Es war ein unveränderter Wert gegenüber dem letzten Monat erwartet worden. Der publizierte Wert lag leicht darunter. Es wurden also weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Dadurch stieg die Arbeitslosenrate von 3.8 auf 3.9%


Warum das wichtig ist


Diese kleine Veränderung hat geholfen, dass viele Marktteilnehmer aufatmen konnten. Eine höhere Arbeitslosigkeit erhöht die Chance auf eine baldige Zinssenkung wieder. Die Grafik oben hilft, die Situation besser einzuschätzen. Der Wert der neu geschaffenen Stellen liegt immer noch wesentlich über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Die kleine Abweichung zum Vorjahr nun als Trendwende zu deuten, ist übertrieben. Da müsste der Wert schon unter den Durchschnitt der letzten 10 Jahre fallen, um eine Trendwende zu signalisieren.


Quelle: X, Otavio (Tavi) Costa, @TaviCosta, 04.05.2024


Die Grafik zeigt die historische Entwicklung der US-Arbeitslosenrate seit 1969. Durch die neu publizierten Zahlen ist der Durchschnitt der letzten 24 Monate erstmals überschritten worden. Seit 1969 war das immer ein Zeichen für eine grössere Trendwende zu höherer Arbeitslosigkeit.

Wenn es in den nächsten Wochen zu negativen Überraschungen kommt, so höchstwahrscheinlich von dieser Seite. Es ist also ratsam, in den nächsten Wochen alle Entwicklungen am Arbeitsmarkt sehr genau zu verfolgen.

Ist der Bullenmarkt zu Ende?


Sehen wir aktuell nur eine kleine Korrektur der Aktienmärkte oder eine grössere Trendwende die bis Ende Jahr die Kurse nach unten drücken kann?

Hier sind die Zeichen nach wie vor nicht eindeutig. Das ist auch der Grund für die aktuell hohe Volatilität und Unsicherheit.


YouTube: Mario Lochner, 04.05.2024, Zeit: 08.07


Fakt ist, wenn es zu einer grösseren Trendwende kommt, so hätten wir den kürzesten Bullenmarkt seit 1946 gesehen. Die Grafik oben zeigt die Dauern in Tagen, in denen der Markt nach einer Zinswende ohne eine Korrektur von 10% gestiegen ist.

Viele glauben daher, dass der Trend weitergeht, vielleicht zu viele.

Quelle: Isabelnet, 03.05.2024


Die grossen institutionellen Anleger haben in der Regel ein Hauptportfolio, dass sie über Jahre stabil halten. Wenn sie sehr optimistisch auf die Aktienmärkte sind, kaufen sie zusätzlich Futures (Termingeschäfte) und sich zusätzlich zu positionieren. Genau das zeigt die Grafik oben. Sie zeigt, wie viele institutionellen Anleger zusätzlich Futures in ihren Portfolios halten. Wir sehen einen Höchstwert der letzten 12 Jahre. Wenn schon alle grossen Investoren weit über dem normalen Mass positioniert sind, bleiben auch bei guten Neuigkeiten zusätzliche Käufe aus.


Quelle: Isabelnet, 01.05.2024


Die Grafik zeigt, wie stark die einzelnen Branchen von Mittelzuflüssen im vergangenen Jahr profitieren konnten. Es war eigentlich nur der Technologiesektor, in den zusätzliche Gelder geflossen sind. Wenn jetzt eine Korrektur kommt, ist daher naheliegend, dass sie auch diesen Sektor am meisten treffen wird.


Quelle: Isabelnet, 30.04.2024


Nach den eher pessimistischen Betrachtungen aber auch noch ein Argument für die Optimisten. Die Grafik zeigt, wie lange es in den vergangenen 50 Jahren gedauert hat, bis die US-Notenbank nach der letzten Zinserhöhung die erste Zinssenkung vorgenommen hat.

Seit der letzten Zinserhöhung sind 10 Monate vergangen. Aktuell geht man von der ersten Zinssenkung im September 2024 aus. Wir würden somit in diesem Zyklus auf einen Wert von 14 Monaten kommen. Die erwartete Zinssenkung ist daher durchaus realistisch.



Ist jetzt die Zeit für Anlagen Europa und den Schwellenländer gekommen?


Für Anleger gibt es zwei Anlagephilosophien, die sich diametral widersprechen:


  • "The Trend is your Friend" Trends dauern grösstenteils länger, als man glaubt. Daher ist es sinnvoll mit den Trends zu investieren und nicht gegen sie.

  • "Mean Reversion" oder "Contrarian Investing" Zurück zum Mittelwert. Entfernen sich die Kurse stark vom langfristigen Durchschnitt, so tendieren die Kurse dazu, wieder zum langfristigen Durchschnitt zurückzukehren.


Trendfolgestrategien sind im langfristigen Vergleich meist überlegen. Investiert man aber zu spät in einen Trend, sind dennoch hohe Verluste möglich.

Mit Contrarian-Strategien kann man viel Geld verdienen, aber es braucht oft Geduld, da man oft zu früh auf einen Trendwechsel setzt.


Quelle: X, Michael A. Arouet, @MichaelAArouet, 01.05.2024


Die Grafik zeigt, dass die Rendite des US und Europäischen Aktienmarktes von 1989 bis 2009, also 20 Jahre, fast identisch war. Von 2009 bis heute hat aber der US-Aktienmarkt Europa um Längen geschlagen. Ist jetzt also der Zeitpunkt, um auf Europa zusetzten?


Der aktuelle Trend kann ohne Weiteres noch weitere 2–5 Jahre dauern. Damit solchen langfristigen Trend drehen, braucht es einen Auslöser. Aktuell ist kein solcher Auslöser zu sehen. Fast alle Zukunftslösungen, die mit künstlicher Intelligenz zu tun haben, kommen aus den USA. Und in Europa herrscht ein Krieg vor der Haustüre.


Ein möglicher Auslöser wären eine Schuldenkrise in den USA und ein Kollaps des USD gegenüber dem Euro. Aktuell ist davon aber nichts zu sehen.


Quelle: X, Michael A. Arouet, @MichaelAArouet, 05.01.2024


Die Grafik zeigt die Differenz der Rendite zwischen US-Aktien und Aktien der Schwellenländer. Wir sehen aktuell die grösste Under-Performance von Aktien aus den Schwellenländern seit 1964. Ist jetzt also der Zeitpunkt, um auf Europa zusetzten?


Die Globalisierung hat dazu geführt, dass die USA und Europa fast ihre ganze Produktion nach Asien und die Schwellenländer ausgegliedert haben. Die COVID-Krise hat aber vielen Firmen die Gefahren von zu globalen Lieferketten vor Augen geführt. Fällt auch nur in einem Land die Produktion von einzelnen Komponenten aus, so kollabieren die ganzen Lieferketten.

Auch die politischen Spannungen zwischen den USA und China wirken sich negativ aus und führen zu Unsicherheiten. Sanktionen dazu führen, dass ganze Lieferketten in sich zusammenbrechen.

Zusätzlich kommen Unterbrechungen von wichtigen Lieferwegen wie der Strasse von Hormus oder dem Souez-Kanal durch Konflikte im Nahen Osten.


Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass US und europäischen Firmen neue Fabriken wieder näher an den Hauptmärkten bauen. Man nennt diese Entwicklung auch Onshoring oder De-Globalisierung.

Im Angesicht dieser neuen Trends glauben wir nicht an einen Umschwung bei Anlagen in den Schwellenländern.


Auch hier bräuchte es für einen Trendwechsel einen Auslöser. Das könnte unter anderem ein Regierungswechsel in China sein, der zu einer Entspannung oder langfristigen Lösung für die Konflikte im südchinesischen Meer bringt. Oder dass sich China voll an die WTO-Regeln hält und strategisch wichtige Sektoren nicht massiv staatlich unterstützt.




Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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