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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 18/2023

Bankenkrise geht weiter, die Wirtschaft läuft besser, als alle denken




Chart der Woche


Quelle: Fidelity, Jurrien Timmer: @TimmerFidelity, 5.5.2023


Die Grafik zeigt die Entwicklung der globalen Geldmenge (gelb) und die Wertentwicklung des US-Aktienindex S&P 500 (schwarz) an.


Warum das wichtig ist


Die Notenbanken haben während der COVID-Krise die Geldmenge stark erhöht, um die Wirtschaft zu stützen. Es hat sich aber gezeigt, dass fast 1/3 der Gelder nicht in die Wirtschaft, sondern an den Aktienmarkt geflossen sind.

Darum ist es nichts als logisch, dass wenn die Notenbanken die Geldmengen reduzieren, das Geld auch wieder aus dem Aktienmarkt fliessen könnte. Das ist im letzten Jahr auch geschehen.

Wegen der Bankenkrise haben die Notenbanken die Geldmenge nun wieder massiv erhöht. Das Geld ist momentan noch nicht gross in den Aktienmarkt geflossen, dürfte aber ein wichtiger Grund sein, warum die Aktienmärkte aktuell so gut halten.



Bankenkrise geht weiter,


In der letzten Woche ging die nächste US-Regionalbank, die First Republic Bank pleite. Sie wurde von der JP Morgan aufgekauft, bzw. gerettet.


Quelle: Youtube, Furkan - ChoinCheck, 02.05.2023, Zeitstempel: 05:20


Die Grafik zeigt die Bankenpleiten in den USA in den vergangenen 30 Jahren. Die Grafik veranschaulicht, wie gross die aktuelle Bankenkrise im historischen Vergleich ist.

3 der 4 grössten Bankenpleiten ereigneten sich 2023.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 06.05.2023, Zeitstempel: 04:50


Die Grafik zeigt, wie hoch die Ausfälle bei den Banken im Vergleich zum Bruttosozialprodukt der USA sind. Das Niveau der Krisen von 2008, 1992 oder 1929 ist bei langem noch nicht erreicht. Besorgniserregend ist aber, dass im Rhythmus von 2-3 Wochen eine weitere Bank scheitert.


Quelle: FED Report: Reports on Condition and Income, April 2023


In den USA müssen die Banken Anlagen, die sie bis zum Verfall halten, nicht zum Marktwert bilanzieren. Sie dürfen sie zum Nominalwert in die Bilanz einfügen. In Europa ist das anders. Die Grafik zeigt, wie hoch diese unrealisierten Verluste bei den Banken sind, die in den Bilanzen schlummern. Es geht um 30% des gesamten Tier 1 Kapitals der Banken. 1/3 des gesamten Reservekapital ist aktuell durch unrealisierte Verluste gebunden. Es würde daher nicht überraschen, wenn es weitere Banken gibt, die scheitern würden.


Quelle: Youtube, Furkan - ChoinCheck, 02.05.2023, Zeitstempel: 05:40


In den vergangenen Jahren haben sich die Gesetzgeber bemüht, mit neuen Bankeinregulierungen immer grössere Banken zu verhindern. Die Grafik zeigt die Entwicklung im US-Bankensektor von 1990 bis 2010. In Europa sieht es ähnlich aus. Genau diese Entwicklung zur Konsolidierung und immer grösseren Banken sollte gestoppt werden. Aktuell geschieht wieder genau das Gegenteil. Die Notenbanken drängen die grossen Banken, die kleinen notleidenden Banken zu übernehmen. Damit wird das nächste Problem geschaffen. Banken, die zu gross sind, um noch von einem Staat gerettet werden zu können.



US-Notenbankpolitik

Letzten Mittwoch war es wieder so weit. Die US-Notenbank gab den neuen Zinsentscheid bekannt. Die Zinsen wurden wie erwartet um 0.25% erhöht. Wichtig ist aber immer auch die Medienmitteilung dazu.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 04.05.2023, Zeitstempel: 01:20


Die Grafik zeigt die Medienmitteilung der US-Notenbank von März und Mai mit im Änderungsmodus markierten Änderungen. Zuerst fällt auf die konsistent die Notenbank informiert und nur einzelne Worte ändert. Das zeugt von Stetigkeit.

Zum letzten Monat fielen zwei Änderungen auf:

  • Im März hiess es noch, das Zinsumfeld würde zu strengeren Kondition für die Aufnahme von Krediten führen. Jetzt heisst es die Kreditkonditionen hätten sich verschlimmert. Die FED erwartet also in Zukunft keine weitere Verschlechterung.

  • Der letzte rote Satz in der Grafik, der gestrichen wurde, indiziert, dass keine weiteren Zinserhöhungen geplant sind.

Die Börse hat entsprechend positiv auf den neuen Zinsentscheid reagiert.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 04.05.2023, Zeitstempel: 04:20


Die Grafik zeigt, wie stark sich die Erwartung der Zinsentwicklung in dem letzten Monat verändert hat. Noch vor einem Monat rechnete man mit der ersten Zinssenkung Anfang 2024. Nun soll diese bereits Mitte 2023 erfolgen.

Wir erachten diese Erwartungen als zu optimistisch. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft merklich abkühlt.



Die Wirtschaft läuft besser, als alle denken

Quelle: Youtube, Mario Lochner, 06.05.2023, Zeitstempel: 09:30


Die Grafik zeigt auf, was viele Marktteilnehmer denken. Durch die starke Erhöhung der Leitzinsen in den USA (graue Linie), wird der Konsum massiv gebremst, was die Wirtschaft in eine Rezession führen wird. Da auch die Inflation zurückgeht, kann die Notenbank bald wieder die Zinsen senken.


Die Realität sieht aktuell anders aus. Die gute Börsenstimmung auf den Zinsentscheid hielt nicht lange.

Quelle: Twitter, Bespoke: @bespokeinvest, 5.5.2023


Am Freitag wurde die Anzahl der neu geschaffenen Stellen in den USA publiziert. Zum 13. Mal in Folge waren diese stärker als erwartet. Das gab es in den vergangenen 20 Jahren noch nie.

Alle erwarten eine Abkühlung der Wirtschaft, aber die Firmen stellen weiter mehr Leute ein.

Quelle: Twitter, Equity Clock: @EquityClock, 5.5.2023


Die Grafik zeigt die Schaffung neuer Stellen in den USA (ohne den volatilen Landwirtschaftssektor). In Blau ist der Durchschnitt der letzten 10 Jahre eingezeichnet und in Grün die Entwicklung 2022. Gegenüber dem letzten Jahr hat die Dynamik zur Schaffung neuer Stellen nur minim abgenommen und ist weiter über dem langfristigen Durchschnitt.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 06.05.2023, Zeitstempel: 10:20


Die Grafik zeigt die viele der 500 Firmen im S&P 500 die Erwartungen für die Quartalserträge übertroffen haben. Über 80% der Firmen haben in der aktuellen Berichtssaison besser abgeschnitten als erwartet. Von einer kommenden Rezession ist nichts zu spüren. Einen so starken Anstieg gab es meist nur am Ende einer Rezession. War es das bereits? Kommt gar keine Inflation mehr?


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 06.05.2023, Zeitstempel: 11:02


Ein zuverlässiger Indikator für eine wirtschaftliche Abschwächung ist der Verkauf von schweren Fahrzeugen. Firmen investieren nur in neue Lastwagen, wenn sie zuversichtlich sind, sie in Zukunft auch amortisieren zu können. Im vergangenen Monat sind die Lastwagenverkäufe nicht wie erwartet gesunken, sondern um 24% gestiegen.


Die Wirtschaftszahlen sind also nach wie vor sehr widersprüchlich. Eine gut laufende Wirtschaft ist eigentlich eine gute Nachricht. Für eine Börse, die aber schnell sinkende Zinsen erwartet, Gift. Wenn es der Wirtschaft so gut geht, wird die Inflation weiter zunehmen und die Notenbanken müssen weiter die Zinsen erhöhen. Daher sind aktuell gute Zahlen für die Wirtschaft, schlecht für die Börse.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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