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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 16/2023

Gewinnausweise in den USA, Optimisten und Pessimisten beide gleich stark, Hauptrisiken für 2023


Chart der Woche


Quelle: Isabelnet, 22.04.2023


Die Grafik zeigt die langfristige Veränderung der Gewinne pro Aktie (EPS, Eranings per Share) von allen Aktien des S&P 500 Index in den USA (dunkelblau). In hellblau ist die Prognose der Marktteilnehmer eingetragen. Seit 20 Jahren steigen die Zinsen stetig an, unterbrochen nur von Rezessionsphasen.


Warum das wichtig ist


In den bisherigen Rezessionsphasen seit 1999 haben in jeder Rezession die Gewinne um mindestens 15% abgenommen. In der jetzt erwartetet Rezession, wird nur ein Gewinneinbruch von 4% erwartet. Danach sollen die Gewinne wieder stark ansteigen.

Aus unserer Sicht ist dies nicht realistisch. Die Gewinnerwartungen für die nächsten Quartale sind zu hoch.

Aktuell läuft die Gewinnsaison für das erste Quartal 2023. In der letzten Woche haben die Banken in den USA die Gewinne für das erste Quartal und Aussichten für das Jahr präsentierte. Ausser bei Charles Schwab, die zeitweise 50% eingebrochen sind, blieben negative Überraschungen aus.

In der aktuellen Woche sind nun die grossen Techwerte wie Microsoft und Intel, aber auch Amazon an der Reihe. Diese gehören zu den wenigen Titeln, die aktuell den Index stützen. Darum wird es sehr spannend sein, welche Zahlen und welchen Ausblick sie präsentieren.



Optimisten und Pessimisten beide gleich stark

Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA stagniert. Am vergangenen Mittwoch wurden die Grundlagendokumente der US-Notenbank für den letzten Zinsentscheid vor zwei Wochen publiziert. Dies ist das sogenannte "Beige Book". Auf die Frage, ob die US-Wirtschaft im Jahresverlauf in eine Rezession abrutscht, bleibt das Beige Book aber eine Antwort schuldig. Während die Preise insgesamt weiter steigen, wenn auch mit geringerem Tempo, kühlt sich der US-Arbeitsmarkt bisher nur leicht ab. Möglich bleiben mehrere Szenarien. Eine "milde Rezession" wegen der Bankenkrise, wie das der Fed-Mitarbeiterstab laut dem Protokoll zum letzten Zinsentscheid prognostizierte, oder eine "sanfte Landung" der US-Wirtschaft. Aber es ist auch ein Szenario möglich, bei dem der hohe Inflationsdruck ein Problem bleibt und die erwartete weitere geldpolitische Straffung nicht ausreicht, um die Inflation wieder stärker in die Nähe des Ziels von 2 % zu bewegen.

Aktuell bewegen sich die Märkte seitwärts bzw. leicht höher. Die Optimisten und Pessimisten sind im Gleichgewicht.



Argumente der Optimisten


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 15.04.2023, Zeitstempel: 10:30


Die Grafik zeigt, wie viele Investoren ihre Positionen mit Termingeschäften abgesichert haben, oder auf fallende Börsenkurse spekulieren. Die Absicherung der Anleger ist auf einem neuen Höchststand. Wenn alle grossen Investoren ihre Bestände abgesichert haben, werde sie nicht verkaufen. Der Verkaufsdruck nimmt massiv ab und bereits wenige positive Nachrichten können die Märkte nach oben treiben.

In den vergangenen 12 Jahren hatten wir nur dreimal einen ähnlich hohen Wert. In allen drei Fällen kam es kurz darauf zu steigenden Kursen.

Wobei darauf hinzuweisen ist, dass wir im Oktober 2022 bereits tiefe Werte hatten, die jetzt nochmals überboten werden.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 20.04.2023, Zeitstempel: 7:50


Die Grafik zeigt eine Analyse der Bank of America, wie stark die Privatanleger in Bargeld positioniert sind. Wir hatten in den vergangenen 15 Jahren nur zweimal höhere Bargeldbeträge in den Portfolios. In der Finanzmarktkrise 2008 und während der COVID-Krise. Auch dieser Wert deutet darauf hin, dass die Märkte weiter wir die Trendwende nach oben bald sehen könnten.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 20.04.2023, Zeitstempel: 7:16


Die Grafik zeigt eine Umfrage bei den grössten Vermögensverwaltern in den USA, wie sie die Wachstumsaussichten der Wirtschaft beurteilen und wie stark sie in Aktien gewichtet sind. Auch hier hatten wir im Oktober 2022 den tiefsten Wert seit 23 Jahren. Nach einer kurzen Erholung bricht der Wert nun wieder ein.

In der Vergangenheit hat es sich aber meist gelohnt zu kaufen, wenn die Stimmung ihren Tiefstpunkt erreicht hatte.


Quelle: Isabelnet, 22.04.2023


Sie zeigt die Inflationsentwicklung der von den Investoren am meisten beachteten Märkte an. In den USA nimmt die Inflation langsam, aber stetig ab. Der Druck auf die amerikanische Notenbank sinkt, die Zinsen weiter zu erhöhen. Falls die Leitzinsen im Mai nochmals erhöht werden, dürfte dies die letzte Erhöhung im aktuellen Zyklus sein.



Argumente der Pessimisten


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 22.04.2023, Zeitstempel: 10:06


Die Grafik zeigt die Marktbreite an. Sie zeigt auf, wie viele Aktien steigen, wenn der Index steigt. Aktuell wird der Aufwärtstrend nur von einer kleinen Anzahl sehr hoch gewichteter Aktien im Index getrieben. Obwohl der Index leicht steigt, verlieren 75% aller Aktien im Index an Wert.

Der Markt wird aktuell nur von 25% der Aktien nach oben getrieben. Ein so tiefer Wert gab es seit 15 Jahren nicht mehr. In allen Fällen mit einer so tiefen Marktbreite kam es kurz darauf zu einer Korrektur von 10-15%.


Quelle: Youtube, Mario Lochner, 15.04.2023, Zeitstempel: 5:33


Die Grafik zeigt, wie stark in den USA die Zinszahlungen für Hypotheken gestiegen sind. Seit 45 Jahren sind die Zahlungen für Hypotheken mehrheitlich gesunken. Der starke Anstieg wird sehr viele Hausbesitzer in den USA in Probleme bringen. Sie müssen viel mehr für die Bezahlung der Hypotheken aufwenden und haben entsprechend weniger für den Konsum zur Verfügung.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Kreditkartenschulden. Auch dort steigen die Zinskosten massiv an.

Beides wird den Konsum in den USA massiv bremsen. Eine harte Rezession wäre unausweichlich.


Quelle: Isabelnet, 22.04.2023


Die Grafik zeigt den gleichen Punkt wie unter dem Titel "Grafik der Woche" weiter oben. In den letzten drei Rezessionen seit 1998 sind die Unternehmensgewinne in den USA (dunkelblaue Linie) um 16% bis 41% eingebrochen. Aktuell wird ein Rückgang von 5-6% erwartet. Die Grafik zeigt ein Prognosemodell der Bank of Amerika, das auf vielen Frühindikatoren der wirtschaftlichen Entwicklung basiert. Die Bank of America sagt daher ein Einbruch der Unternehmensgewinne von 16% voraus. Das ist wesentlich tiefer als der aktuell erwartet Wert. Die Investoren müssen ihre Prognosen der Realität anpassen.


Quelle: Isabelnet, 22.04.2023


Das ist die gleiche Grafik, wie bei den Optimisten. Sie zeigt die Inflationsentwicklung der von den Investoren am meisten beachteten Märkte an. In den USA geht auch nach der stärksten und schnellsten Erhöhung der Leitzinsen, die Inflation nicht zurück. Sie bewegt sich auf hohem Niveau seitwärts. In Europa und Japan steigt die Inflation weiter stark an.

Die Notenbanken haben den Kampf gegen die Inflation verloren. Weiter stark steigende Zinsen sind die Folge.

Fazit:


Die Aussichten waren seit Langem nicht so schwer einzuschätzen, wie aktuell. Wir halten den Bargeldanteil in den Portfolios deshalb weiter hoch und investieren in konservative Substanztitel. Wenn die Märkte steigen sind wir dabei, aber nicht an der Spitze und wenn die Märkte einbrechen sollten, so können wir die günstigeren Kurse zum Einstieg nutzen.



Hauptrisiken für 2023


Die Grafiken zeigen eine Umfrage der Bank of America bei den grössten institutionellen Anlegern weltweit.

Beim Aufbau eines Portfolios ist immer gut zu sehen, wie und wo die ganz grossen Investoren sich positionieren. Dort, wo sie die grössten Gefahren sehen, werden sie keine neuen Gelder platzieren und dort sind somit die Chancen für weitere Kursgewinne am kleinsten.


Quelle: Isabelnet, 20.04.2023


Hier wurden die Anleger gefragt, wo sie die höchsten Gefahren sehen, dass man in den letzten Zügen einer Hype-Phase investiert und der Trend bald ändern wird. Die befragten Investoren gehen davon aus, dass wenn man jetzt noch in diesen Trend investiert, mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Verlust erleiden wird.

Im letzten Monat hat sich hier das Bild komplett verändert. An eine weitere Rallye der Technologieaktien glaubt niemand. Auch nicht daran, dass man weiter auf einen Kollaps der kleineren Regionalbanken in den USA wetten sollte.

Quelle: Isabelnet, 20.04.2023


Hier wurden die Anleger gefragt, wo sie die höchsten Gefahren im Obligationenmarkt sehen. Massiv zugenommen hat die Gefahr im Bereich der kommerziellen Immobilien. Einerseits waren viele Firmen in dem Bereich zu kurzfristig finanziert und leiden jetzt unter massiv zunehmenden Finanzierungskosten und dazu kommt der seit COVID weiter anhaltende Trend zu Home-Office, der die Nachfrage nach mehr Geschäftsimmobilien stark bremst.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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