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  • martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 10/2023

Der Einfluss der Geldmenge auf die Finanzmärkte, das Bitcoin Trilemma und Ausblick, Häusermarkt in den USA signalisiert eine Rezession.



Chart der Woche


Quelle: Twitter: Michael J. Kramer, @MichaeLMOTTCM, 28.02.2023


Die Grafik zeigt die Geldmenge M2 in Amerika (schwarze Linie) und die Preisentwicklung des S&P 500.


Warum das wichtig ist


Die Entwicklung der Geldmenge hat einen grossen Einfluss auf die Finanzmärkte. Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Drittel der neu geschaffenen Geldmenge nicht in der Industrie für Investitionen landet, sondern in den Finanzmarkt fliesst. Darum ist es für Anleger unerlässlich, die Notenbanken zu beobachten und ihr Handeln zu verstehen.



Exkurs: Geldmenge und Aufgabe der Notenbanken


Von 1880 bis 1944 gab es den Goldstandard. Der Goldstandard ist eine Geldordnung, bei der Geld aus Goldmünzen oder -scheinen besteht, die Ansprüche auf Gold darstellen, die gegen Gold eingetauscht werden können. Im einfachsten Fall fungiert geprägtes Gold direkt als Geld. Der Goldstandard liegt aber auch dann vor, wenn die Zentralbank einen festen Wechselkurs ihrer Währung für Gold in Papiergeld garantiert und praktisch jederzeit in der Lage und bereit ist, den vollen Betrag umzutauschen. 1944 wird an einer Konferenz in Bretton-Woods-System von 44 Staaten ein neues System eingeführt. Es basiert auf der folgenden Grundlage:



Quelle: marmot.finance


Wenn die Geldmenge und die Anzahl aller Waren und Dienstleistungen gleich hoch ist, herrscht ein Gleichgewicht. Eine Geldeinheit entspricht einer Ware.

Da aber immer mehr Rohstoffe aus dem Boden geholt werden, steigt der Warenteil stetig an. Wenn doppelt so viele Waren der gleichen bleibenden Geldmenge gegenüberstehen, kommt es zur Deflation. Eine Wareneinheit entspricht nun 0.5 Geldeinheiten (Beispiel Mitte). Warum soll ein Unternehmer eine neue Fabrik bauen, wenn das dazu führt, dass sie für das hergestellte Produkt immer weniger bekommen? In einer Deflation schrumpft die Wirtschaft und es kommt zu hoher Erwerbslosigkeit.


Steigt die Geldmenge hingegen stark an, aber die Warenmenge bleibt gleich, so kommt es zur Inflation. Eine Wareneinheit kostet jetzt zwei Geldeinheiten; was einer Inflation von 100% entspricht.


Die Aufgabe der Notenbanken ist es dafür zu sorgen, dass die Geldmenge und die Menge aller Waren/Dienstleistungen gleich hoch ist. Um das zu erreichen, müssen die Notenbanken zu jeder Zeit genau wissen, wie viele Waren und Dienstleistungen im Markt vorhanden sind. Ist die Geldmenge immer leicht höher als die Gesamtheit aller Waren und Dienstleistungen, so führt dies zu einem stetigen Wachstum der Wirtschaft.


Das Abkommen von Bretton-Woods legte die Grundlage für die Gesellschaft und das Wirtschaftssystem von heute. Ständige Innovation sorgt für Fortschritt und dafür, dass unsere Lebensbedingungen stetig besser werden.


Es gibt aber viele, die den Notenbanken misstrauen und sich eine Rückkehr zum Goldstandard mit dem Bitcoin als modernes Gold wünschen. Aus unserer Sicht wäre das ein Rückschritt in die Zeit vor 1944 und würde das ganze Wirtschaftswachstum zum Erliegen bringen. Die Folgen wären hohe Erwerbslosigkeit und keine Innovation mehr.



Der Einfluss der Notenbanken auf die Finanzmärkte


Die Notenbanken haben zwei Möglichkeiten, in die Wirtschaft einzugreifen. Mit dem Leitzins und der Steuerung der Geldmenge können sie das Wachstum der Wirtschaft fördern oder einschränken, um das Ziel einer geringen Inflation zu erreichen.

Die grösste Herausforderung ist, dass beide Massnahmen verzögert wirken. Wenn die Leitzinsen erhöht werden oder die Geldmenge verknappt wird, ist der Effekt in der Wirtschaft erst ca. 6 Monate später zu spüren.


Quelle: FRED, Economic Data St- Louis FED, M2, 10.3.2023


Die Grafik zeigt die Geldmenge M2 in den USA. Seit 1970 ist diese steig angewachsen. Um die Wirtschaft im Wachstumsmodus zu behalten, war dies auch nötig. Seit dem Jahr 2020 hat sie aber überproportional zugenommen.


Die Steuerung der Geldmenge ist sehr komplex. Neben der Höhe der Geldmenge ist auch die Umschlaghäufigkeit (Velocity) ein wichtiger Faktor. Gebe ich mein Geld an Kollegin A, diese an Kollegin B und diese noch im selben Monat an Kollegin D; so wäre dies eine Umschlaghäufigkeit von vier.


Quelle: FRED, Economic Data St- Louis FED, M2 Velocity, 10.3.2023


Die Grafik zeigt die Umschlaghäufigkeit der Geldmenge M2 in den USA seit 1960. Seit dem Jahr 2000 hat diese stetig abgenommen. Um die Gesamtmenge von M2 stabil zu halten, musste also die Geldmenge stetig erhöht werden.

Als im Jahr 2020 die Wirtschaft wegen der COVID-Krise einbrach, sackte auch die Umschlaghäufigkeit ab. Die Konsumenten waren im Lockdown und konnten viel weniger Geld ausgeben. Wenn die Notenbanken nicht die Geldmenge massiv erhöht hätten, wäre es zu einer Deflation gekommen. Die Summer aller Waren und Dienstleistungen wären um einiges höher gewesen als die Geldmenge.


Quelle: FRED, Economic Data St- Louis FED, M2 Annual change, 10.3.2023


Die Grafik zeigt die jährliche Veränderung der Geldmenge. Der Anstieg der Geldmenge 2020 ist eindrücklich zu sehen.

Nun normalisiert sich die Lage aber wieder. Die Wirtschaft läuft wieder weitgehend normal und es gibt einen grossen Konsum-Nachholbedarf, der die Wirtschaft antreibt. Auch die Umschlaghäufigkeit der Geldmenge steigt wieder an. Die Notenbanken sind jetzt also gezwungen, die Geldmenge wieder zu reduzieren.


Die Notenbanken können nur die Spielregeln aufstellen. Sie können nicht bestimmen, was die Investoren und Konsumenten mit dem Geld machen sollen. Die Idee ist natürlich, dass die Investoren in neue Fabriken investieren und Konsumenten das Geld ausgeben. Aber ca. ein Drittel der Gelder fliessen in die Finanzmärkte. Das hat dann auch nach dem COVID-Crash zu dem starken Anstieg der Finanzmärkte geführt.


Der starke Rückenwind für die Finanzmärkte dreht sich jetzt zu einem Gegenwind. Das heisst jetzt nicht, dass die Finanzmärkte stark einbrechen müssen. Solange die Wirtschaft gut läuft, können Firmen durch mehr Gewinne das Absinken der Kurse verhindern. Es muss sich aber ein neues Gleichgewicht finden. Es kommt zu einem starken Umschwung der Anlegergunst in qualitativ hohe und solide Firmen.


Aktuell sieht es auch so aus, dass die Notenbanken über das Ziel hinausschiessen. Sie haben die Zinsen zu stark erhöht und die Geldmenge zu stark gesenkt und die Verzögerung, mit der die Massnahmen greifen, zu wenig berücksichtigt. Eine Rezession scheint nicht mehr abzuwenden. Auch das ist ein Grund, vorsichtiger zu sein und sein Geld nur in qualitativ guten und solide finanzierten Firmen anzulegen.



Häusermarkt in den USA signalisiert eine Rezession


Der Markt für Häuser in den USA gilt als guter Frühindikator für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung.


Quelle: Twitter: Game of Trades, @GameofTrades, 02.03.2023


Die Grafik zeigt einen von der Investmentbank Goldman Sachs berechneten Indikator, der aufzeigt, wie erschwinglich für Amerikaner der Bau oder Erwerb eines neuen Hauses ist. Der Wert ist stärker eingebrochen als noch während der Finanzkrise.

Quelle: Twitter: Game of Trades, @GameofTrades, 03.03.2023


Die Grafik zeigt, wie viele bestehende Häuser den Eigentümer wechseln. Auch der Indikator ist stark eingebrochen und sind nun auf dem Stand, der das letzte Mal 1982 zu sehen war.


Beide Indikatoren legen nahe, dass eine Rezession unausweichlich ist.




Das Bitcoin Trilemma und Ausblick


Quelle: Crypto News Flash, 03.06.2021


Wenn man eine neue Kryptowährung schaffen will, muss man sich entscheiden, wo man sich im Blockchain Trilemma positionieren will. Die drei Kriterien Sicherheit, Skalierbarkeit und Dezentralisation widersprechen sich. Es ist bisher niemandem gelungen, eine Kryptowährung zu erzeugen, die alle drei Kriterien erfüllt.

Soll die Anwendung schnell und skalierbar sein, dann ist das Beste, wenn sie auf einem schnellen Server läuft. Dann widerspricht das aber der Dezentralisation. Ist die Anwendung dezentral wie beim Bitcoin, muss jede Transaktion auf über 10'000 Servern (Nodes) vollzogen werden, damit sie bestätigt wird. Das dauert. So schafft es das Bitcoin-Netzwerk nur 7 Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten (TPS). Damit ist Bitcoin als Weltwährung schlicht ungeeignet. Zum Vergleich: das Mastercard Netzwerk schafft 5'000 TPS und die Kryptowährung Solana 65'000 TPS. Solana hat dann aber "nur" 1900 Nodes.


Herausforderung Nummer 1: Regulierung


Den speziellen Charakter von Bitcoin hat sogar die SEC (Amerikanische Notenbank) erkannt. Sie ist aktuell daran, viele Kryptowährungen zu verklagen. Sie argumentieren, dass die Schaffung von Kryptos der Herausgabe von Wertpapieren entspricht. Der Herausgeber schafft sie im Wissen und Willen, sie zu einem höheren Kurs an Anleger zu verkaufen. Bitcoin anerkennt sie als Sonderfall, aufgrund der langen Geschichte und der Tatsache, dass mit über 10'000 Nodes niemand eine Kontrolle hat.

Diese Klagewelle gegen Kryptowährung verunsichert viele Anleger und sorgt für tiefere Kurse. Das Thema ist in den USA hochpolitisch. Die Demokraten wollen mehr Regulierung oder sogar ein Verbot von Kryptowährungen, die Republikaner sehen darin die Technologie der Zukunft, in der die USA die Führungsrolle übernehmen sollte. Die SEC argumentiert aktuell, dass keine neuen Regeln nötig sind, da mit dem bestehenden Regelwerk bereits alles abgedeckt ist. Um das unter Beweis zu stellen, starten sie aktuell unzählige Aktionen gegen die Kryptobranche.

Die USA sind deshalb aktuell so wichtig, da 25% aller Bitcoin Nodes in den USA betrieben werden. Nach dem Verbot von Bitcoin in China sind die USA zum Marktführer aufgestiegen.

Eine klare Regulierung wäre die Basis für die Zukunft der Kryptowährungen und würde zu einer Wertanstieg führen, der den Bitcoin und generell Kryptos auf neue Höchstwerte katapultieren könnte.


Herausforderung Nummer 2: Bereinigung der Branche


Im Tages oder Wochenrhythmus kommt eine schlechte Nachricht nach der Anderen. Auch vor ganz grossen Namen macht die Pleitewelle nicht halt. Viel dachten, mit dem Kollaps von FTX sei der Höhepunkt erreicht, aber nun kommt der grösste Market-Maker Silvergate unter Druck.


Zuerst waren es kleine Firmen, die in den Konkurs gingen und kleine Kryptoprojekte die gescheitert sind. Aber die Opfer werden immer grösser. FTX war einer der grössten Krypto-Handelsplattformen und Silvergate eine der grössten und wichtigsten Market-Maker im Krypto-Bereich. Nach dem Kollaps von Silvergate nehmen die Volumen an den Krypto-Märkten massiv ab. Dadurch werden die Märke zum einfachen Ziel von Manipulationen. Die Volatilität im Krypto-Bereich dürften in den nächsten Wochen und Monaten steigen.


Einerseits ist diese Entwicklung schlecht, da es zu Verunsicherung führt und sich jeder fragt, wer der nächste ist, der zusammenbricht. Man hört dann auch oft den Vergleich mit der Finanzkrise, dass FTX Bear Sterns entspricht und Silvergate Lehmann entspricht. Auszuschliessen ist es nicht, aber in der "Wut-" und "Depressionsphase" im psychologischen Marktzyklus (siehe nächster Chart) sind solche Ängste normal.

Anderseits ist die Bereinigung der Branche auch gut. Es werden nur die starken und soliden überleben und gestärkt aus der Krise gehen.



Psychologie der Märkte


Die Bildung von Anlageblasen auf den Finanzmärkten und das Platzen dieser Blase läuft immer in einem ähnlichen Muster ab:

Quelle: beIncrypto, Was ist ein Marktzyklus, 7.4.2022


Das Höchst wird erreicht, wenn alle Anleger euphorisch sind und viel mehr anlegen als sie eigentlich sollten. Jeder hat schon investiert, jede Zeitung berichtet darüber und an jeder Veranstaltung ist es das Thema Nummer 1. Da alle schon gekauft haben, bleiben keine Käufer mehr übrig. In der Kaufwelle werden auch Firmen hochgespült, die qualitativ schlecht waren. Schlechte Nachrichten mehren sich; betrügerische Konkurse oder Anklagen wegen untreuer Geschäftsführung führen zu einem Meinungsumschwung. Die Blase platzt und der Markt kollabiert.



Quelle: Marmot, TradingView, 10.03.2023


Vergleicht man den Chart des Bitcoins über 3 Jahre, so sieht man grosse Parallelen zu dem Bild oben, mit dem psychologischen Marktzyklus.

Aber wo stehen wir heute? Stehen wir bei der "Wut" und es kommt nochmals eine Abwärtswelle oder sind wir bereits bei der "Depression" angelangt. Das Bild ist hier nicht klar.



Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


Disclaimer:

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