• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 09/2022

Inflation als grösste Gefahr, Kommt jetzt der grosse Crash? Vom Landkrieg zum Wirtschaftskrieg.



Chart der Woche


Quelle: Isabel.net, 3.3.2022


Der Chart zeigt die Abweichung des Ölpreises vom langfristigen Trend und wann in den USA eine Rezession folgte (grau hinterlegt).


Warum das wichtig ist


Bei einem Ölpreis von über USD 100 steigt die Gefahr massiv, dass die USA in eine Rezession schlittert. Da die USA der grösste Konsummarkt der Welt ist, würde dies die ganze Weltwirtschaft massiv schwächen. Eine Rezession in den USA käme zu einem sehr schlechten Zeitpunkt. Da in den USA die Zinsen bereits sehr tief sind, hätte die Notenbank fast keine Möglichkeit, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen und die Zinsen zu senken.



Kommt jetzt der grosse Crash?


Auch in der vergangenen Woche, waren alle Augen auf den Krieg in der Ukraine gerichtet. Die Ukraine ist wirtschaftspolitisch unwichtig und kein Faktor, der die Märkte beunruhigen sollte. Die Kurse werden getrieben von:

  • Gewinnentwicklung der Firmen: Die letzten publizierten Zahlen waren sehr vielversprechend. Eine grosse Anzahl Firmen konnte die Erwartungen übertreffen. Viele Firmen leiden jedoch noch daran, dass die Lieferketten durch die Covid-Krise nicht im Lot sind. Die Erwartungen für das Gewinnwachstum der Firmen in den USA ist zudem moderat und unter dem langfristigen Trend von 10%. Der Chart unten zeigt die Wachstumserwartungen der Gewinne pro Aktien für US-Firmen an. Für 2022 wird 9.9% und für 2023 wird 8.3% erwartet. Bei den relativ tiefen Erwartungen besteht eine grosse Chance, dass die Firmen positiv überraschen werden.

Quelle: Isabel.net, 5.03.2022



  • Politik der Notenbanken: Insbesondere die US-Notenbank hat eine Änderung ihrer expansiven Politik in eine restriktive Politik angekündet. Der Markt rechnet mit bis zu 9 Zinserhöhungen bis Mitte 2023. Der Krieg in der Ukraine könnte dazu führen, dass die Notenbank die Zinserhöhungen etwas nach hinten verschiebt, was für die Börse ein sehr positives Zeichen wäre. Der nächste Sitzungstermin ist aber erst am 16/17. März. Es kann also noch etwas dauern, bis hier ein positives Zeichen kommt.

Die Investorenstimmung ist schlecht und die Börsen gehen weltweit nach unten. Hier ist es wichtig die Korrektur historisch einzuordnen.


Quelle: Marmot, Tradingview


Der Chart zeigt die Wertentwicklung des europäischen Aktienindex Euro STOXX 50 seit dem Juli 2021. Seit Anfangs Jahr hat der Index 20% verloren.


In den letzten Wochen sind mehr Gelder aus dem europäischen Aktienmarkt geflossen als während der Covid-Krise:

Quelle: Isabel.net, 5.3.2022


Langfristig betrachtet besteht aber nicht Anlass zur Sorge:


Quelle: Marmot, Tradingview


Der Chart zeigt die Wertentwicklung des europäischen Aktienindex Euro STOXX 50 seit dem Juli 1989. Mit einer langfristigen Perspektive sieht die Lage wesentlich weniger dramatisch aus. Die Aktienmärkte schwanken und sind keine Einbahnstrasse. Korrekturen von 20-30% sind normal und kommen immer wieder vor, ohne dass eine spezielle Krise sie ausgelöst hätte. Seitdem tiefst nach dem ersten Corona-Schock ist der Euro Stoxx 50 zudem 78% gestiegen, ohne eine nennenswerte Korrektur. Was wir aktuell sehen ist daher bisher eine ganz normale Korrektur, die auch nach Überhitzungsphasen eintritt. Seit der Finanzkrise sind die Märkte sogar um 145% gestiegen.


Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt ist, ob die aktuelle Krise das Potential hat zu einem grossen Einbruch von weiteren 20-30% zu führen, wie er ca. alle 10 Jahre auftritt.


Langfristige Auswirkungen der Ukraine-Krise


Neue Sicherheitspolitik


Die Ukraine-Krise ist ein Wendepunkt in der Geschichte und wird dazu führen, dass sich Sicherheitspolitik von vielen Staaten komplett ändern wird.

Quelle: Isabel.net, 26.02.2022


Der Chart zeigt den geopolitischen Risikoindex der US-Notenbank an. Die aktuelle Lage ist vergleichbar mit dem Golfkrieg von 1990, mit den Terror-Attacken von 2011 oder dem Irak Krieg.


Seit Jahrzehnten gab es (ausser dem Balkankrieg) in Europa keinen Krieg mehr. Eine ganze Generation ist ohne die Angst vor einem Krieg aufgewachsen. In den letzten Jahren wurde argumentiert, dass es in Europa keine konventionellen Kriege mehr geben wird, nur noch Cyberkriege. Das Militär verlor immer mehr an Ansehen und Rückhalt in der Bevölkerung. Das wird sich nun ändern. Es wird zu einer massiven Aufrüstung in Europa kommen. Öffentliche Gelder werden von anderen Bereichen abgezogen und in die Rüstung fliessen.


Grenzen des Kapitals und der Globalisierung

Bereits Covid hat aufgezeigt, wie verletzlich die Wirtschaft ist, wenn die Lieferketten für ein Produkt über 100 Bestandteile hat, die aus unterschiedlichen Kontinenten geliefert werden müssen. Bereits da hat ein Umdenken stattgefunden. Bisher war Kapital und Investitionen überall willkommen. Neu kommt aber eine politische Dimension dazu. Unternehmen müssen ihre langfristigen Investitionspläne überarbeiten.


Vom Landkrieg zum Wirtschaftskrieg.


Die Invasion der Ukraine wird mit konventionellen Kriegsmitteln und einem abnützenden Bodenkampf durchgeführt. Das kennt man aus der Geschichte.


Europe und die USA haben im Gegenzug Russland den Wirtschaftskrieg erklärt. Das ist der Erste wirklich umfassende Wirtschaftskrieg seit der Globalisierung. Für westliche Firmen wächst das Risiko. in Ländern, die nicht zum Freundeskreis der USA zählen. Das gilt in Europa für alle nicht-NATO Staaten aber auch für China.


Es stellt sich die Frage, ob es global tätige Firmen in strategisch wichtigen Sektoren in Zukunft noch geben wird. Visa und Mastercard funktionieren mittlerweile in Russland nicht mehr. Das wird dazu führen, dass Russland und China in Zukunft eigene Bezahlsysteme aufbauen werden. Firmen werden sich entscheiden müssen welche Märkte sie erschliessen wollen. Eine Konzentration auf Europa/USA, China oder Russland dominierte Gebiete wir die Folge sein.


Die Börse tut sich aktuell schwer diese neuen Risiken genau zu beziffern. Diese Unsicherheit sorgt für einen Käuferstreik. Klar ist, dass sich die Welt verändern wird. Hier wird es klar Verlierer aber auch Gewinner geben. Auch aufgrund der bereits sehr schlechten Anlegerstimmung stufen wir die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Einbruch der Börsen um 20-30% aber als sehr gering ein.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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