• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 08/2022

Aktualisiert: 28. Feb.

Entwicklung der Aktienmärkte in Kriegszeiten, Geht Putins Strategie auf?, Gewinner und Verlierer der Ukraine-Krise, Anlegerstimmung auf tiefsten Stand seit 2007.



Chart der Woche

Quelle: marmot.finance


Der Chart zeigt den Verlauf des europäischen Aktienmarktes vom 19. Februar 2003 bis Ende 2003 (in grün). Der Chart beginnt einen Monat vor dem Start des Golfkrieges am 20. März 2003. Zudem ist der Verlauf des europäischen Aktienmarktes seit dem 14. Januar 2022 eingezeichnet (in Blau). Auch das ist einen Monat vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine.


Warum das wichtig ist


Der Krieg 2003 in Irak weist für uns viele Parallelen zu der aktuellen Situation auf. Eine Weltmacht attackiert einen souveränen Staat, um die Regierung auszuwechseln und die Welt schaut ohnmächtig zu. Auch damals war die Versorgung der Welt mit Öl und Gas ein grosses Thema. Der Angreifer erobert zuerst den Luftraum und marschiert dann von verschiedenen Seiten auf die Hauptstadt zu. Der Golfkrieg begann am 20. Februar 2003 und endete am 1. Mai 2003. Das dürfte in etwa auch der Zeitrahmen sein, der für den Ukraine-Krieg zu erwarten ist.


Der Aktienmarkt in Europa hat 2003 anders reagiert, als viele dachten. Sobald der erste Schock des Kriegsbeginns vorüber war, stabilisierte sich der Markt und begann wieder zu steigen. Auch 2022 könnte sich das Gleiche ereignen. Eine bekannte Börsenregel besagt: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern".


Geht Putins Strategie auf?


Was sehr viele Beobachter völlig überrascht hat, war nicht nur der Kriegsbeginn, sondern insbesondere die Begründung von Putin. Im Vorfeld des Krieges ging es Putin darum ein Zeichen zu setzte, dass sich die Nato nicht weiter nach Osten ausdehnen soll. In den Begründungen die Putin nun im Fernsehen für den Angriff auf die Ukraine geliefert hat, stellt er faktisch die Existenz aller Statten, die nach dem Fall der UDSSR unabhängig geworden sind, in Frage. Das ist eine massive (verbale) Eskalation und wird dazu führen, dass die ganze sicherheitspolitische Lage in Europa neu beurteilt werden muss. Mit dem Angriff auf die Ukraine hat Russland zudem unzählige Verträge gebrochen, die es seit 2014 unterzeichnet hat.


In der ersten Kriegswoche sah es so aus, dass Putins Strategie voll aufgehen würde. Europa und die USA waren sich uneins über die Sanktionen und die beschlossenen Massnahmen waren völlig ungenügend. Am Wochenende wurde nun beschlossen Russland aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT auszuschliessen. Das ist die erste Massnahme die Russland, aber auch die normale Bevölkerung hart treffen kann. Aber Russland wird mit der Hilfe von China auch das überstehen.


Die einzige Sanktion die wirklich helfen würde, wäre ab sofort keine Rohstoffe mehr von Russland zu beziehen. Das würde aber einen breit angelegten Plan erfordern. In ca. 2 Wochen wären alle Energiereserven der europäischen Staaten aufgebraucht. Aus der Golfregion müsste mehr Öl kommen und Amerika müsste mit Energie-Notlieferungen Europa unterstützen. Aber auch dann müsste die Bevölkerung von Europa auf eine Rationierung von Öl und Gas vorbereitet werden. Ganze Industriezweige müssten den Betrieb einstellen, da zu wenig Stahl und Aluminium vorhanden wäre. Gerade jetzt, wo sich die Firmen von der Covid-Krise erholen, wäre das für viele der Todesstoss. Ist Europa und die USA bereit für ein solches Vorgehen? Wir bezweifeln es und rechnen darum leider damit, dass sich Putin schlussendlich durchsetzen wird und seine Strategie erfolgreich sein wird.



Gewinner und Verlierer der Ukraine-Krise


Verlierer der Ukraine-Krise:

  • Europa: Es wird nun eine komplett neue Risikoabschätzung für neue Investitionen in die Staaten der ehemaligen UDSSR erfolgen. Die Investitionstätigkeit dürfte vor allem in allen nicht-NATO Staaten massiv zurückgehen.

  • Ukraine: Die ganze Bevölkerung und insbesondere auch alle Firmen, die Fabriken und Produktionsstätte in der Ukraine haben. Durch die Embargos dürften nach einer Besetzung von Russland keine Geschäfte mehr mit der Ukraine getätigt werden. Es ist mit einer massiv höheren Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Gewinner der Krise:

  • Firmen die in Waffen und/oder Sicherheitsbereich tätig sind: Es dürfte nun zu einer massiven Militarisierung der NATO und Europa generell führen. Über Jahre wurde die Sicherheits-Infrastruktur stark reduziert.

  • Rohstoffe: Gold hat nach dem Kriegsbeginn um 5% zugelegt, ist aber jetzt wieder auf dem gleichen Stand wie bei Ausbruch des Krieges. Eine kleine Goldposition im Depot schadet aber nicht, falls die Lage weiter eskaliert. Der Ölpreis ist seit dem letzten November um über 50% gestiegen. Wir denken, dass es hier eher zu einer Konsolidierung kommt. Das Gleiche erwarten wir für Weizen. Hier sind die Preise seit letztem November um 45% gestiegen.

  • Energiewende: Viele Staaten planen bis 2030 oder 2040 CO2-Neutral zu werden. Zu den ökologischen Argumenten kommen nun auch noch sicherheitspolitische Argumente dazu. Das dürfte dazu führen, dass bisher politisch blockierte Projekte schneller umgesetzt werden. Je schneller die Energiewende vollzogen wird, desto schneller ist Europa unabhängiger von Energielieferungen aus Russland. Die Aktien von Firmen aus dem Bereich der alternativen Energie hatten 2020 eine sehr gute Rendite, haben 2021 aber konsolidiert. Diese Konsolidierung dürfte nun vorüber sein.

  • Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken, insbesondere die US-Notenbank, die Anzahl Zinserhöhungen in dem Jahr reduzieren wird oder die für März geplante Erhöhung nicht durchführt. Dies dürfte die Aktienmärkte generell stützen.

Anlegerstimmung auf tiefsten Stand seit 2007.


Quelle: Isabel.net, 26.02.2022


Der Chart zeigt eine Umfrage der AAII (American Association of Individual Investors). Die Anzahl der Bären (Anleger, die mit sinkenden Kursen rechnen) war nur 2013 höher als heute.


Quelle: Isabel.net, 24.02.2022


Die Grafik zeigt wie die Rendite an den Aktienmärkten seit 1987 war, wenn der Anteil der Anleger, die mit negativen Kursen gerechnet haben, so hoch war. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 97% liegen die Kurse in 6 Monaten höher als heute.






Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


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