• martin1060

Marktanalyse - Kalenderwoche 04/2022

Märkte stabilisieren sich, Ausblick auf die Gewinnsaison, Bitcoin: Ist die Korrektur zu Ende?, Fluch und Segen zusätzlicher Regulierung

Chart der Woche

Quelle: Isabel.net, 27.01.2022


Um den Chart zu verstehen, muss man etwas genauer hinschauen, es lohnt sich aber. Die dunkelblaue Linie zeigt den Growth/Value Ratio. Eine steigende Linie bedeutet, dass Wachstumswerte (Growth) die bessere Rendite haben als Substanztitel (Value). Die hellblaue Linie zeigt die Realzinsen der 10-Jahres US-Staatsanleihe invertiert. Eine steigende Linie bedeutet sinkende Zinsen und eine sinkende Linie, steigende Zinsen.

Warum das wichtig ist

Der Chart zeigt eindrücklich auf, dass in Phasen sinkender Zinsen Wachstumstitel eine wesentlich bessere Rendite haben als Substanztitel. Die Ankündigung der amerikanischen Notenbank in dem Jahr die Zinsen bis zu drei Mal zu erhöhen, ändert die Favoritenrolle. Die Realzinsen können in die Region von +0.5 bis +0.8% steigen. Dies lässt eine starke Outperformance von Substanztitel in dem Jahr erwarten.


Märkte stabilisieren sich


Nachdem die amerikanische Notenbank am Mittwoch die Zinsschraube nicht weiter gedreht hat als befürchtet, haben sich die Märkte etwas stabilisiert.


Quelle: Twitter: Bespoke, @bespokeinvest, 27.01.2022


Der Chart zeigt die Rendite einzelner Sektoren nach der Pressekonferenz der amerikanischen Notenbank. Höhere Zinsen haben einen sehr negativen Einfluss auf die Rendite von Technologie und Immobilienfirmen. Wir gehen davon aus, dass diese Grafik repräsentativ für die Sektor-Renditen bis mindestens Mitte 2022 sein wird.


Quelle: Isabel.net, 28.01.2022


Die Grafik der AAII (American Association of Individual Investors, Vereinigung der Kleinanleger) zeigt auf wie negativ die Stimmung ist. Sie ist auf einen tieferen Wert gesunken als nach dem Covid-Crash 2020. Wir erachten diese Angst als übertrieben und gehen von einer Gegenreaktion, also steigenden Aktienmärkten aus.

Für eine detaillierte Analyse verweise ich auf unseren Sondermarktbericht von dieser Woche.


Ausblick auf die Gewinnsaison


Quelle: Isabel.net, 25.01.2022


Letzte Woche haben die ersten Firmen die Gewinne für das vierte Quartal 2021 publiziert. Der Markt geht von einer durchschnittlichen Zunahme von 20.6% gegenüber dem Vorjahr aus. Diese Woche haben erst 26 Firmen die Resultate publiziert und 73% der Firmen haben die Erwartungen übertroffen. Aber auch diese Firmen haben nach der Ankündigung über 2% an Wert verloren. Wir gehen davon aus, dass weitere gute Resultate die Märkte in den nächsten 2-3 Wochen beruhigen können.



Bitcoin: Ist die Korrektur zu Ende?


Set dem Höchst im November 2021 hat Bitcoin über 50% korrigiert.

Quelle: Tradingview, Marmot


Wie auf dem Chart ersichtlich ist, ist eine Korrektur von über 50% nichts wirklich Aussergewöhnliches. Im letzten Jahr von Mai bis Juli sahen wir eine ähnliche Korrektur und einige Monate später ein neues Allzeithöchst.


Der Hauptgrund für den Abverkauf seit November waren fast ausschliesslich Investoren aus Asien:


Quelle: BeInCrypto, 21.12.2022


Der Chart zeigt in grün und rot die Rendite des Bitcoins zu den Öffnungszeiten der asiatischen Börsen an. Dies zeigt eindrücklich, dass fast der gesamte Verkaufsdruck aus Asien kam. In den USA und Europa haben die Anleger Bitcoins dazu gekauft.

Diese grosse Verkaufswelle der asiatischen Anleger waren bedingt durch das Crypto-Verbot der chinesischen Regierung. Diese Verkaufswelle ebbt nun ab,


Quelle: Twitter: ecoinmetrics, @ecoinmetrics, 28.01.2022


Der Chart zeigt das Kauf- und Verkaufsverhalten der einzelnen Anlegergruppen. In der obersten Linie sind die Investoren die über 1000 Bitcoins halten (über 40 Millionen USD Gegenwert). Diese Investoren nennt man die Wale. Da sich über 70% aller Bitcoinbestände in den Händen dieser Anlegergruppe befindet, ist ihr verhalten für den Kursverlauf entscheidend.


Bis Ende Jahr haben die Wale massiv verkauft. Das waren insbesondere die Miner aus China, die alle Ihre Bitcoins verkaufen mussten. Seit einer Woche sind die Wale wieder daran Bitcoins zu akkumulieren. Was auf eine weitere Stabilisierung hoffen lässt.


Bitcoin: Fluch und Segen zusätzlicher Regulierung


Das Weisse Haus stuft Bitcoin und Kryptowährungen neu als Sicherheitsrelevant ein. Biden wird daher in den nächsten Wochen eine Durchführungsverfügung erlassen, um die Bundesbehörden mit der Bewertung der Risiken und Chancen von Kryptowährungen zu beauftragen. Dazu sollen Teams aus allen Behörden zusammen arbeiten. Das Ziel ist eine einheitliche Regulierung auszuarbeiten, und diese auch mit anderen Ländern zu koordinieren.


Ist das nun eine gute oder schlechte Nachricht? Das ist nicht so klar.


Negative Interpretation:

Bitcoin wurde geschaffen, um ein von den Notenbanken und Regierungen unabhängiges Geldsystem zu haben, dass von diesen nicht manipuliert und kontrolliert werden kann. Der Bitcoin sollte von den Usern selber geführt und weiterentwickelt werden. Regulierung zuzustimmen ist ein Verrat an der Grundphilosophie des Bitcoins. Regulierung ist der natürliche Feind von dezentralen Währungen. Und da sie eben dezentral sind, ist eine Regulierung nicht möglich, da sie immer in Länder ausweicht, die keine Regulierung haben.


Positive Interpretation:

Die Idee des Bitcoins und der Kryptowährungen generell hat sich weiterentwickelt. Enorme technische Möglichkeiten bestehen und werden das Internet wie neu erfinden. Milliarden wurden mittlerweile in Projekte die auf Kryptowährungen beruhen investiert. NFTs und Smart Contracts haben das Potential, unser Leben und die Wirtschaft nachhaltig zu verändern.

Aber die Technologie steht an einem Scheideweg. Aufgrund komplett fehlendem Kundenschutz ist eine Wild-West Mentalität entstanden. Wird kein einheitliches System geschaffen in dem Kryptowährungen gedeihen können, wird die Technologie den Weg in den Mainstream nicht finden. Viele Investoren in Kryptowährungen sehen daher eine massvolle Regulierung als Bedingung, damit sich ihr Geschäftsmodell entwickeln kann.


Die Frage wird sein, ob es den Regierungen gelingt einen einheitlichen Regulierungsrahmen zu schaffen, der von den Usern auch akzeptiert wird. Eine zu starke Regulierung würde die Kryptowährungen wie wir sie kennen zerstören eine massvolle Regulierung würde sie zu ungeahnten Höhen führen.

Diese Regulierungsdiskussion wird uns die nächsten 6-12 Monate begleiten. Es werden immer wieder Teilinformationen der Arbeitsgruppe des Weissen Hauses an die Öffentlichkeit dringen. Diese können ein Crash auslösen oder eine grosse Rally entfachen. Anlagen in Kryptowährungen werden auch in 2022 nichts für AnlegerInnen mit schwachen Nerven sein.





Zusätzliche Bildquellen: Anfangsgrafik Designed by Freepik


Disclaimer:

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